Joyce

JOYCE: Hallo Leute, hier ist wieder eure Joyce.

Wir konnten es kaum erwarten, euch diese Woche weiter vom Sehen zu erzählen. Letzte Woche mussten wir ja leider aufhören, weil Toffee so Hunger hatte.

TOFFEE: Außerdem war mein Gehirn voll. Und ich wette, den Lesern ging es genau so, überzeugt-MUIG.

PEBBLES: Eifrig-MUIG: Aber ihr erinnert euch bestimmt daran, dass wir Farben sehen, weil wir Di­chromaten sind, also zwei verschiedene Typen von Farbrezeptoren auf unserer Netz­haut haben. Mindestens zwei Typen von Rezeptoren braucht man, um farbig zu sehen, weil dazu die Eindrücke von zwei verschiedenen Rezeptoren nötig sind, die mit­ein­an­der verglichen und im Gehirn verrechnet werden.

OSCAR: Und die Menschen sind Trichromaten, weil sie drei verschiedene Zapfenty­pen auf ihrer Netzhaut haben. Und jeder Zapfen kann einen bestimmten Bereich von Wel­lenlängen aus der Bandbreite des Lichts erkennen und damit einen bestimmten Be­reich von Farben. Und bei den verschiedenen Tieren ist es unterschiedlich, welche Wellenlängen und damit Farben ihre jeweiligen Zapfen wahrnehmen, dozier-MUIG.

JOYCE: Hey, du hast gut aufgepasst, lob-MUIG.

OSCAR: Aber klar doch, stolz-freu-MUIG!

PEBBLES: Hier ist nochmal die Farbskala für das Licht, das für Menschen sichtbar ist, so zwischen etwa 400 nm und 700 nm.

 

JOYCE: Unsere beiden Farbzapfentypen sind am empfindlichsten für das Licht mit den Wellenlängen 429 nm und 529 nm. Das sind Dunkelblauviolett und ein leicht gelb­liches Grün. Aber die Wellenlängenbereiche um diese Spitzen drumrum nehmen wir auch wahr, bloß nicht mehr ganz so stark.

TOFFEE: Also sind unsere beiden Zapfen ganz ähnlich zu den S-Zapfen und M-Zapfen der Menschen, feststell-MUIG.

PEBBLES: Ja, die drei Zapfen bei den Menschen sind am empfindlichsten für das Licht mit 430 nm, 535 nm und 565 nm. Die Menschen sehen aber mit ihrem dritten Zapfen bis in den Rotbereich hinein. Das geht bei uns nicht.

 
Pebbles

JOYCE: Jetzt könnte man denken, dass wir mit unseren beiden Zapfen alle Farben des Spektrums sehen können von Blau über Türkis über Grün bis zu Gelb und vielleicht noch ein bisschen Orange, nur Rot nicht. Aber so einfach ist es leider nicht. Die Zapfen in den Augen sind nämlich nur die erste Station beim Sehen.

PEBBLES: Ja, die Pigmente in den Zapfen zählen nämlich, wie viele Lichtteilchen der ver­schiedenen Wellenlängen durchs Auge reinkommen und bei ihnen ankommen. Die­se Lichtteilchen nennt man Photonen. Die Anzahl der ankommenden verschiedenen Photonen melden die Zap­fen dann an die Nervenzellen in der Netzhaut weiter.

OSCAR: Hey, das hört sich voll nach Star Trek an, da gab's Photonentorpedos und so Zeug, begeistert-MUIG!

JOYCE: Das bei Star Trek ist aber ein Phantasiename für eine Raumschiffwaffe und hat nichts mit Licht und Farbe zu tun.

TOFFEE: Du solltest lieber mal ein gutes Buch lesen, Oscar, dabei erwirbt man ECHTE Bildung, ätz-MUIG.


Toffee

OSCAR: Ich wette, du hast noch nicht mal nie bisher auch nur von Photonen gehört, stichel-MUIG.

TOFFEE: Ich hab ZÄHNE, die sind besser und schneller als ein Laserschwert und gleich zeig ich dir das, fauch-MUIG. Fahr besser deine Schutzschilde hoch und flieg dein Raumschiff in einen anderen Quadranten!!!

OSCAR: Du bist seit einiger Zeit ganz schön reizbar!

JOYCE: Ach, streitet doch nicht, ihr beiden, besänftigend-MUIG.

PEBBLES: In den Nervenzellen, die man auch Neuronen nennt, werden dann die Infor­mationen der Zapfen kombiniert und zu Gegensatzpaaren zusammengestellt. Die Ner­ven sind also die zweite Station beim Sehen. Die Informationen über blaues Licht wer­den dort mit denen über gelbes Licht zusammengepackt, die Infos über grünes Licht zusammen mit denen über rotes Licht und dann gibts noch die Infos der Stäbchen über schwarz und weiß, die auch gebündelt werden. Dadurch ergeben sich drei Info­pa­ke­te und in jedem Paket sind zwei Komplementärfarben.

TOFFEE: Was, Komplimente-Farben?

JOYCE: Nein, nein, Komplementär ist nur ein Schlaumeierwort für Gegensatz. Komple­mentärfarben sind Farben, die man nicht gleichzeitig an der selben Stelle sehen kann. Es gibt also Blau und Gelb, aber kein bläuliches Gelb oder gelbliches Blau.

PEBBLES: Jetzt ist es halt so, dass nur bei den Menschen diese drei In­fopakete in den Nerven vollständig zusammengepackt werden können, weil bei denen ihre drei Farbzapfen Infos über Blau und Gelb und über Grün und Rot senden. Aber weil wir keinen dritten Zapfen haben und deshalb keine Rotinfos bei unseren Neuronen an­kommen, können die auch kein Rot-Grün-Paket schnüren. Bei uns gibt's nur zwei komplette Pa­kete mit Schwarz-Weiß und Blau-Gelb. Und im Grünpaket ist halt kein Gegensatz-Rot, erklär-MUIG. Wir Dichromaten sind also rotblind.

OSCAR: Echt? Das ist mir noch nie aufgefallen. Auch Toffee, obwohl die doch schon rote Augen hat?


Oscar

PEBBLES: Auch Toffee, weil die Augenfarbe überhaupt keinen Einfluss darauf hat, wie wir sehen.

TOFFEE: Aber wir sehen doch alles in Farbe, auch die Sachen, die die Menschen rot sehen. Ich meine, wir sehen doch keine leeren Stellen, wo bei anderen rot ist, verständnislos-MUIG.

JOYCE: Nein, natürlich nicht. Wir sehen auch eine ganz farbige Welt, aber eben andere Farben als die Menschen. Die von den Nerven zusammengepackten Infopakete werden durch Farbkanäle zum Großhirn geschickt und dort werden sie verarbeitet. Dort entsteht dann das Farb­empfinden. Das ist die dritte Station des Sehens.

PEBBLES: Und das Großhirn kann halt bei uns kein Rot und Grün unterscheiden, weil durch den Farbkanal für dieses Infopaket nur grüne Infos kommen und deshalb sehen wir rote und grüne Sachen alle ziemlich gleich. Je dunkelroter etwas ist, desto mehr sehen wir das als schwarz und je grüner etwas ist, desto grauer sehen wir das und dann sehen wir noch eine Menge Gelbabstufungen, auch ins Grünliche rein.

JOYCE: Und in dem Bereich um 480 nm zwischen Blau und Gelb haben wir einen farbneutralen Punkt, da sehen wir dann Grautöne. Wir sehen also das Lichtspektrum ungefähr so:

OSCAR: Komisch, ich hab gar nicht das Gefühl, dass ich grün und rot nicht unterscheiden kann.

JOYCE: In Amerika gab es mal eine Studie, da hat man einer Gruppe Meeris fünf verschiedene Futternäpfe hingestellt, rot, gelb, grün, blau und schwarz. Außerdem fünf verschiedene Wassernäpfe in den gleichen fünf Farben. Die Näpfe wurden immer mit der gleichen Menge vom genau gleichen Futter befüllt und standen jeden Tag woanders. Die Zweibeiner haben dann jeden Tag die Näpfe gewogen und aufgeschrieben, aus welchem Napf die Meeris am meisten gegessen und getrunken haben. Am Schluss hatten sie herausgefunden, dass die Meeris am liebsten aus dem gelben Futternapf gegessen und aus dem blauen Wassernapf getrunken haben. Rot und grün waren nicht so beliebt und die schwarzen Näpfe wurden ziemlich ignoriert.


Joyce

TOFFEE: Das war doch wohl klar. Alle Meeris, die ich kenne und kannte und von denen ich je gehört habe, haben gelb und blau als ihre Lieblingsfarben.

OSCAR: Ja, schon wahr. Naja, jetzt wissen wir ja auch warum. Ts, rotblind. Hmm, nach­denk-MUIG, welche Farben haben denn eigentlich Paprikas?

TOFFEE: Gelb und grün natürlich, überzeugt-MUIG!

OSCAR: Aber die Mama Kerstin spricht doch immer von gelben, grünen und roten.

PEBBLES: Weil sie die so sieht. Deshalb haben für die Mama Kerstin die Paprikas drei verschiedene Farben. Für uns haben die nur zwei Farben. Und wer weiß, wie ein Wellensittich Paprikas sieht mit seinem zusätzlichen UV-Zapfen, vielleicht sind die für den Sittich auch noch leuchtend oder so was. Für einen Wal sind alle Paprikas grau in verschiedenen Abstufungen, weil die nämlich farbenblind sind.

JOYCE: Die Mama Kerstin hat uns geholfen, den Lesern zu zeigen, wie Paprikas aussehen aus Menschen-Sicht und aus Meeri-Sicht. Dazu hat sie das Bild mit den Paprikas bearbeitet. Links sieht man die Paprikas wie die Menschen sie sehen und rechts wie wir sie sehen.

 

OSCAR: Äääh…, die Bilder sehen doch beide gleich aus...

JOYCE: Nur für uns Meeris. Aber die Menschen sehen die Unterschiede. Deshalb konnten wir die Bilder ja auch nicht selbst bearbeiten, sondern mussten die Mama Kerstin bitten.

PEBBLES: Man kann also nie sagen, wie irgendwas tatsächlich aussieht, weil jeder es anders sieht. Und jeder denkt, dass das, was er selbst sieht, die Wahrheit ist.


Pebbles

TOFFEE: Nut gut, dass wir nicht so auf's Sehen angewiesen sind, um die Wahrheit zu ermitteln. Wir können uns bei Paprikas auf unseren Geruchs- und Ge­schmackssinn verlassen. Und da ist ganz klar, dass Paprikas drei verschiedene Ge­schmäcker haben. Ich mag die am liebsten, die die Mama Kerstin rot sieht. Und wenn ein Stück Paprika direkt vor mir liegt, sehe ich es sowieso gar nicht mehr wegen meiner Nase.

PEBBLES: Ja, direkt vor unserer Nase haben wir einen toten Winkel. Das ist, weil unsere Augen so weit außen am Kopf sitzen. Das ist bei den meisten Pflanzenfressern so. Dadurch haben wir einen fast vollständigen Panoramablick und können einen Radius von 340 ° rund um uns rum sehen, bloß nicht genau nach hinten wegen unserer Birnenform, weil da unser Hintern im Weg ist. Aber durch den Rund­umblick kann sich keiner heimlich an uns ranschleichen und wir sehen auch nach hinten oben, damit wir rechtzeitig flüchten können, wenn ein Andenkondor im Anflug ist.


Oscar

OSCAR: Ich hab' gehört, dass das Gesichtsfeld von Menschen nur ungefähr 180 bis 200 ° umfasst. Die müssen doch ständig Angst haben, dass ein Andenkondor von hinten auf sie runterstößt.

TOFFEE: Ich kann mir nicht vorstellen, dass das richtig oft passiert, sarkastisch-MUIG.

JOYCE: Naja, die Menschen haben zwar einen verengten Blickwinkel, aber dafür sehen sie in einem Bereich von 120 ° mit beiden Augen, also dreidimensional. Unser sogenanntes binokulares Gesichtsfeld umfasst nur einen Winkel von 76 °. Die Menschen sind also viel besser darin, räumliche Tiefe wahrzunehmen und ihre Sehschärfe ist auch viel besser als unsere.

OSCAR: Ach, laufen wir deshalb öfter mal irgendwo dagegen? Ich dachte immer, das passiert nur mir und liegt an meinem breiten Bart.

PEBBLES: Nein, das liegt am toten Winkel vor der dicken Nase und daran, dass wir auch noch kurzsichtig sind. Wir sehen also wegen der Nase das nicht, was zu nahe ist, und wegen der Kurzsichtigkeit das nicht, was weiter weg ist. Außerdem können wir Entfernungen nicht gut schätzen. Deshalb müssen die Menschen gut auf uns aufpassen, damit wir in der Menschenwelt nirgendwo runterfallen können, z.B. von Tischen oder so, weil wir halt immer noch an die Welt unserer freilebenden Vorfahren angepasst sind und nicht an die Wohnungen der Zweibeiner.

JOYCE: Dafür sind wir absolute Meister im Erkennen von Bewegungen. Selbst ganz feine Bewegungen nehmen wir noch auf große Distanz wahr. Das ist lebenswichtig in der Natur, damit wir rechtzeitig flüchten können, wenn sich ein Feind uns nähert. Den brauchen wir auch nicht scharf sehen, Hauptsache wir bemerken ihn rechtzeitig und starten blitzschnell durch. Und das können wir richtig gut.

OSCAR: Ja, Raketenstarts sind unsere Spezialität. Sozusagen mit Warp-Antrieb, hihi-MUIG.


Toffee

TOFFEE: Ich hab' dich noch nie schneller gesehen als im zweiten Gang mit angezogener Handbremse, läster-MUIG.

OSCAR: Pffth, ich starte so schnell, dass du das nicht mehr wahrnimmst.

PEBBLES: Ich sag's nicht gern, Oscar, aber wir Meeris sehen 33 Bilder pro Sekunde, Menschen sehen nur 22. Wo die Zweibeiner im Fernsehen einen laufenden Film sehen, sehen wir lauter aufeinander folgende Einzelbilder. Außerdem ist der Teil von unserem Gehirn, der die Wahrnehmung von Bewegung verarbeitet, viel aktiver als der Teil, der scharfe Bilder verarbeitet. Du könntest also nicht unbemerkt einen Raketenstart machen.

TOFFEE: Nicht mal im Dunkeln, weil wir Meister sind im Dämmerungssehen. Das können wir perfekt.

JOYCE: Dabei haben wir nicht mal ein Tapetum Lucidum.

OSCAR: Jetzt sprichst du in Rätseln.

JOYCE: Das ist eine lichtreflektierende Schicht, die zum Beispiel Hunde an der Rückwand ihrer Augen haben. Das hilft ihnen, bei schwachem Licht noch Formen und Bewegungen zu sehen. Wir können das aber auch ohne diese Reflektortapete. Wir haben im Lauf der Evolution genau das Sehvermögen entwickelt, das wir für unser Überleben brauchen.

PEBBLES: Genau. Unsere wichtigeren Sinne sind Hören und Riechen. Sehen ist zweitrangig und Scharfsehen erst Recht. Weil wir Fluchttiere sind, ist es viel wichtiger, dass wir ständig auf der Hut sind vor Angreifern. Deshalb müssen wir auch fast nie blinzeln, sondern haben die Augern immer offen, selbst wenn wir schlafen.

TOFFEE: Ich hab Oscar schon mit geschlossenen Augen schlafen gesehen.

JOYCE: Wir machen die Augen nur zu, wenn wir richtig tief schlafen. Das machen wir aber nur selten und wenn, dann nur für ein paar Minuten. Und auch nur, wenn wir uns ganz sicher fühlen. Üblicherweisen dösen wir nur mit offenen Augen und wenn was passiert, sind wir blitzschnell wach und rennen.

PEBBLES: Ja, unsere Augen sind sogar schon 14 Tage vor unserer Geburt offen, aber in so einer Gebärmutter gibt's halt nicht viel zu sehen.

JOYCE: Die Menschen wundern sich immer, dass sie uns nicht blinzeln sehen, aber tatsächlich müssen wir das auch nur ganz selten, weil unsere Augen schon anders aufgebaut sind als bei vielen anderen Tieren und per se mehr Feuchtigkeit enthalten. Außerdem ist unsere Tränenflüssigkeit viel zähflüssiger als zum Beispiel bei den Menschen. Dadurch bleiben unsere Augen viel länger feucht. Wir blinzeln vielleicht so alle halbe Stunde mal. Und dann blinzeln wir auch noch viel schneller als die Menschen.


Joyce & Pebbles

PEBBLES: Für uns Beutetiere ist es einfach wichtig, immer die Augen aufzuhalten. Und weil wir schon mit den beiden Augenlidern kaum blinzeln, haben wir auch keine Nickhaut, also kein drittes Augenlid, wie es zum Beispiel Hunde haben. Aber grelles Sonnenlicht mögen wir gar nicht, weil sich unsere Pupillen dabei nicht so stark zusammenziehen können wie bei den Menschen.

OSCAR: Dafür kann Toffee ganz prima die Augenlider zu einem schmalen Schlitz zusammenkneifen, wenn sie sich über mich ärgert und gefährlich aussehen will, damit ich ihr aus dem Weg gehe. Dazu stellt sie ein paar Haare im Genick und ich weiß dann, dass es Zeit ist zu verschwinden, bevor sie mich jagt und erlegt.

JOYCE: Ich finde es traurig, dass ihr neuerdings oft so streitet. Wir sind doch eine Gruppe. Lasst uns jetzt gemeinsam was essen. Ich hab' vorhin Paprika in drei Farben bei der Kerstin bestellt anlässlich dieser Folge.

Keeeeerrrrrstttiiiiiiiiiiinnnnnnnn…

KERSTIN-ZWEIBEIN: Hier: für jeden von euch drei Stücke Paprika in allen Farben.

TOFFEE: Sehr gute Idee, ich schau' schon die ganze das das Paprika-Bild an und mir läuft das Wasser im Mäulchen zusammen.

JOYCE: Danke, Mama Kerstin, also tschüss dann, mampf schmatz, bis nächste Woche…

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