Joyce & Daisy

 

DAISY: Hallo Leute, hier ist wieder eure Daisy.

Heute melden wir uns nur kurz, weil unsere arme Mama Kerstin jetzt schon in der dritten Woche krank ist, mitfühlend-MUIG.

PEBBLES: Erst hatte sie eine Erkältung, aus der wurde dann eine schlimme Bronchitis und aus der ist jetzt eine böse Lungenentzündung geworden, besorgt-MUIG. Davon ist sie jetzt allmählich so fertig, dass sie uns diese Woche gar nicht helfen mag bei unserer Kolumne.

OSCAR: Ja, sie hat echt zu uns gesagt, wir sollen sie bloß in Ruhe lassen. Unglaublich. Irritiert-MUIG.

JOYCE: Ja, so kennen wir sie sonst gar nicht. Es scheint ihr wirklich schlecht zu gehen, bekümmert-MUIG.

TOFFEE: Ich dachte erst, dieses furchtbare Bellen kommt von Raven, aber es ist  der Husten von der Mama Kerstin, schudder-MUIG. Ihr tut schon der ganze Brustkorb weh.


Toffee

JOYCE: Und scheinbar hilft dieses ganze moderne Medizinzeug nicht so richtig gegen ihre Beschwerden, ratlos-MUIG, deshalb hat sie sich doch tatsächlich daran erinnert, dass wir neulich erzählt hatten, dass die Indianervölker in den Anden Krankheiten heilen, indem sie mit einem Meerschweinchen über die betroffene Körperregion reiben.

DAISY: Aber das glaubt doch keiner, dass das wirklich hilft, Kopf-schüttel-MUIG.

TOFFEE: Ach, weißt du, der Henry sagte oft, "Erst probieren, dann kritisieren". Allerdings bin ich froh, dass dieser Kelch an mir vorbeigegangen ist, erleichtert-MUIG.

PEBBLES: Och, ich fand's gar nicht schlimm, fröhlich-MUIG. Die Mama Kerstin lag gemütlich auf dem Sofa und hat mich auf ihre Brust gesetzt, da, wo innen die Bronchien und die Lunge sind. Ich hab's mir gleich gemütlich gemacht und mich schön platt hingelegt und während ich die Kerstin nebenbei behandelt habe, durfte ich Endiviensalat essen, freu-MUIG.


Pebbles

DAISY: Aber Pebbles, wunder-MUIG, du hast doch gar keine Heilkräfte.

PEBBLES: Natürlich nicht. Hab' ich doch auch nie behauptet. Ich nehme an, dass die Behandlung nicht wiederholt wurde, weil das der Mama Kerstin auch klar wurde als die Therapie nicht anschlug.

TOFFEE: Hm, überleg-MUIG, vielleicht hätte sie fester mit dir über die Stellen reiben müssen.

PEBBLES: Na hör mal, das tut doch dann weh, empört-MUIG! Ich wurde gar nicht gerieben. Ich hab' nur kuschelige Wärme abgestrahlt.

OSCAR: Ja, aber als das nicht half musste ICH danach nochmal ran. Die Kerstin meinte nämlich sich erinnern zu können, dass man schwarzen Tieren magische Kräfte zuschrieb. Tststs-MUIG. Dabei bin ich doch überwiegend weiß und halt ein bisschen grau.

JOYCE: Aber dein Gesicht ist schwarz!


Oscar

OSCAR: Das reichte aber nicht für eine magische Wunderheilung. Aber für eine Extraportion Endiviensalat probiere ich es gerne nochmal, motiviert-MUIG.

TOFFEE: Ich glaub', das wird nicht mehr nötig sein, mutmaß-MUIG. Die Mama Kerstin meinte, entweder liegt es daran, dass wir domestiziert sind oder dass sie keine Andenindianerin ist oder dass man für Lungenleiden möglicherweise ein anderes Tier braucht, z.B. ein Lama.

DAISY: Wo soll sie denn hier ein Lama herkriegen, verdutzt-MUIG?

PEBBLES: Sie könnte es mit Raven versuchen, vorschlag-MUIG. Die ist groß und auch schön schwarz, da steckt bestimmt eine Menge heilende Magie drin.

JOYCE: Kicher-MUIG. Die wiegt 30 Kilo. Wenn sie sich die auf die Brust setzt, braucht sie nie wieder irgendeine Behandlung.


Joyce

DAISY: Warum hat sie wohl ausgerechnet Pebbles ausgesucht und nicht mich? Leicht-eifersüchtig-grübel-MUIG. Ich esse auch gerne Salat.

TOFFEE: Weil du ein kleiner Wusel bist, der nicht stillhalten kann, auf-den-Punkt-bring-MUIG. Pebbles bleibt genau da gemütlich sitzen, wo man sie hinsetzt.

OSCAR: Wenn die Mama Kerstin nur nicht noch auf andere Ideen kommt in Sachen Heilen mit Meerschweinchen.

PEBBLES: Was meinst du?

OSCAR: Wisst ihr, erzähl-MUIG, es gab mal einen britisch-französischen Arzt im 19. Jahrhundert, der hieß Charles-Édouard Brown-Séquard. Der war Physiologe und Neurologe und der hat sozusagen das moderne Doping erfunden.


Daisy, Toffee, Pebbles & Joyce

TOFFEE: Ach. Und?

OSCAR: Er hat aus den Hoden von Meerschweinchenböcken eine Flüssigkeit gewonnen und sich ins Unterhautfettgewebe injiziert. Er war überzeugt, dass das vitalisiert, die Leistung steigert und das Leben verlängert. Nach ihm nennt man diese Flüssigkeit Brown-Séquard-Elixier.

PEBBLES: Igitt-MUIG!

JOYCE: Na, das Leben der Meerschweinchen hat es zumindest nicht verlängert. Er hat die armen Böckchen umgebracht dafür, angewidert-MUIG.

TOFFEE: Seufz-MUIG, das ist aber nicht neu. So was Ähnliches haben die alten Griechen und die Römer auch schon gemacht.

DAISY: Aber Toffee, widersprech-MUIG, da gab es in Europa doch noch gar keine Meerschweinchen.

TOFFEE: Die nahmen stattdessen Hundehoden oder welche von anderen Tieren. Oder sie aßen Stierhoden.

DAISY: Bäh-MUIG. Diese Zweibeiner aber auch.


Pebbles

PEBBLES: Ist denn da was dran? Ich meine, macht dieses Hodenelixier wirklich fit und verlängert das Leben, zweifelnd-MUIG?

TOFFEE: Blödsinn! Hast du schon mal ein energetisches unsterbliches Meeriböckchen gesehen? Die sitzen doch an der Quelle, sozusagen. Trotzdem sind sie oft stinkfaul und werden auch nicht älter als wir Mädels.

JOYCE: Der Brown-Séquard hat sich auch erstmal ganz schön lächerlich gemacht als er sein Elixier der Fachwelt vorgestellt hat.

OSCAR: Ja, aber in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fing man im Sport so richtig an zu dopen. Und die ersten leistungssteigernden Drogen waren genau das Zeug aus den Meerschweinchenhoden, bedeutungsvoll-MUIG.

DAISY: Unglaublich!

JOYCE: Du meinst Anabolika. Das ist einfach Testosteron, ein natürliches Steroid. Heute gibt's aber schon ganz viele künstlich hergestellte Steroide, so dass die Meeriböckchen keine Angst mehr haben müssen.

TOFFEE: Als das losging mit dem Doping, haben die bekloppten Zweibeiner ja so ungefähr alles ausprobiert, verächtlich-MUIG, von Opium, Kokain und Morphin über Koffein bis hin zu Arsen und sogar Strychnin. Und allmählich wurde das ganze Dopingzeug immer ausgefeilter.

PEBBLES: Ja, heute gibt es noch Amphetamine, Ephedrin, Hormone, Narkotika, Diuretika, Adrenalin, Hypnotika und inzwischen sogar Gendoping.

OSCAR: Und alles hat angefangen mit uns Meerschweinchen, stolz-MUIG.


Daisy & Oscar

DAISY: Ist das nicht ein etwas zweifelhafter Ruhm?

TOFFEE: Jedenfalls glaube ich nicht, dass die Mama Kerstin jetzt auf Meerihoden setzt, kicher-MUIG, oder dass Testosteron gegen eine Lungenentzündung hilft. Ich glaube, die Mama Kerstin kriegt jetzt Antibiotika und kein Meeri-Dope. Und die Antibiotika verdanken wir wohl nicht uns Meeris.

OSCAR: Doch, triumphierend-MUIG. Die auch! Allerdings indirekt, zugeb-MUIG.

PEBBLES: Wieso indirekt?

OSCAR: Naja, der englische Bakteriologe Alexander Fleming hat 1928 zufällig das Penicillin entdeckt, das ja ein Antibiotikum ist. Das ist ein Stoffwechselprodukt von Schimmelpilzen. So ein Pilz ist ihm versehentlich in eine Kultur von Staphylokokken-Bakterien hineingeraten und er hat gemerkt, dass der Pilz die Bakterien abtötet.

JOYCE: Ja ja, aber erst 10 Jahre später konnten die Wissenschaftler Ernst Boris Chain, Howard Florey und Norman Heatley den Wirkstoff isolieren und dann haben sie ihn an bedauernswerten Ratten und Mäusen getestet, die sie mit Streptokokken infiziert hatten, aber nicht an Meerschweinchen.


Pebbles, Oscar & Toffee

OSCAR: Eben, begeistert-MUIG. Ihr wisst ja, dass wir Meeris Penicillin nicht vertragen und daran sterben. Stellt euch vor, man hätte das Zeug damals an Meeris getestet, dann hätte man vielleicht nie erkannt, wie wirksam Antibiotika gegen bakterielle Infektionen sind!

DAISY: Du meinst, die Menscheit verdankt uns Meeris das Penicillin, weil wir an seiner Entdeckung NICHT beteiligt waren?

OSCAR: Genau!

PEBBLES: Eine gewagte Theorie.

TOFFEE: Aber geradezu brilliant, anerkennend-MUIG.

JOYCE: Ich finde, das zeigt nur die Absurdität von Tierversuchen.

KERSTIN-ZWEIBEIN: Könntet ihr jetzt mal zum Ende kommen? Ihr wolltet euch heute kurz fassen, röchel-hust.


Joyce

JOYCE: Entschuldigung, Mama Kerstin. Aber eigentlich haben wir uns nur Gedanken um deine Gesundheit gemacht.

OSCAR: Am Besten wirfst du uns fix die Leckerchen zu und gehst gleich wieder ins Bett.

KERSTIN-ZWEIBEIN: Nichts lieber, hust. Hier, schöne große Apfelstücke für euch, damit ihr nicht krank werdet. Apfel ist sehr gesund. Hust.

DAISY: Oh prima! Danke, Mama Kerstin. Und gute Besserung.

Also tschüss dann, mampf schmatz, bis nächste Woche...

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