HENRY: Hallo Leute, hier bin ich wieder, euer Henry.

Letzte Woche hatte ich euch ja von meinem Besuch bei der Weißkittel-Frau erzählt, und dass das ein bisschen peinlich war, weil ich ja in diesem Vogelkäfig saß. Aber mein neues Zweibein hat Wort gehalten und ist danach noch in den größten Zooladen der Stadt gefahren, um mir ein Haus zu kaufen.

Dort hat sie sich nach Meerschweinchenhäusern und Zubehör erkundigt und man hat ihr drei typische Käfige gezeigt. Die bestanden aus einer rechteckigen Pla­stik­schale und obendrauf war jeweils ein abnehmbares Gitterdach. Es gab einen in blau, einen in rot und einen in pink.

CLARA: Lass mich raten: Deiner wurde der pinke?!

HENRY: Iiiiiieeh-MUIG! Bin ich Prinzessin Lillifee, oder was? Nein, ich habe den in blau gekriegt. Die Kerstin sagte, sie hat den größten genommen, der da war. Aber im Vergleich zu unserem jetzigen Eigenbau war der trotzdem ganz schön winzig.

JANE: Ich verstehe nicht, warum es für uns keine anständigen Schweineheime zu kaufen gibt. Immer nur diese Zwergenkäfige (empört-MUIG)! Das muss sich doch allmählich rumsprechen, dass wir auch laufen können und nicht nur rumsitzen. Das mit dem ganzen Tierzubehör ist doch eine Riesenindustrie, da muss doch mal einer auf die Idee kommen, schöne Häuser zu verkaufen und nicht nur Gefängniszellen für Gefangenenschweinchen.

CLARA: Genau. So viele Meeris sitzen unschuldig lebenslang hinter solchen Gittern.

Clara

TOFFEE: Gut, dass wir jetzt so ein schönes Haus haben.

HENRY: Ja, aber wisst ihr, damals hab' ich das ja alles noch gar nicht gewusst. Ich hatte ja vorher auch so einen Käfig zusammen mit meinem Kumpel. Da wusste ich ja noch gar nicht, wie schön man wohnen kann, wenn man ein Zweibein hat, das sich Mühe gibt.

Naja, ein Holzhaus als Einrichtung habe ich von der Kerstin auch bekommen. Das war rechteckig und eine der kurzen Seiten war so schräg, dass man da rauf­laufen konnte, um auf's Dach zu kommen. Und vorne war ein Eingang.

JANE: Nur EIN Eingang?

TOFFEE: Und der Ausgang?

HENRY: Raus musste man auch durch den Eingang.

TOFFEE: Da wär' ich nicht reingegangen. Wenn Clara dann kommt und ich bin grad' drin, dann komm' ich ja nicht mehr raus und dann krieg' ich mächtig Ärger.

CLARA: Also zwei Öffnungen müssen schon sein, das weiß doch jeder, wie soll ich die Toffee denn sonst jagen, wenn die nicht weglaufen kann? Das ist wich­tig, dass sie weglaufen kann, weil ich sie sonst beissen muss und eigentlich schmeckt sie gar nicht.

JANE: Du müsstest ja auch nicht immer gleich so 'ne Zicke sein.

Jane

CLARA: Pffht...

HENRY: Naja, ich war ja alleine und da gab es das Problem ja nicht, dass wer in ein Haus will, das schon besetzt ist. Ich fand, dass das Haus das Beste an dem ganzen Käfig war, weil das ja das einzige Versteck war, wo man nicht gleich gesehen wurde. Als die Kerstin mich in den Käfig gesetzt hat, bin ich wie ein Pfeil direkt in das Haus geschossen.

CLARA: Du und pfeilschnell...?

KERSTIN-ZWEIBEIN: Du würdest dich wundern, Clara, wie schnell der Henry rennen kann, wenn es drauf ankommt. Ich hab's schon selbst gesehen. Sonst hätte er die Nacht im Wald vielleicht gar nicht überlebt. Der Henry sieht nur so gemütlich aus, wenn er sich sicher fühlt. Aber wenn er losdüst, könntet ihr Mädels ihn nicht einholen.

CLARA: Das glaub' ich erst, wenn ich es sehe.

HENRY: Muss nicht sein. Ich bin genug um mein Leben gerannt. Ich mag es viel lieber gemütlich. Aber der Käfig damals war gar nicht gemütlich. Da war also rechts das Holzhaus und links ein großer Heuhaufen und dazwischen lag so einer von diesen grau-grünen Stofftunneln, die man so kaufen kann. Dann gab es noch eine Schüssel mit Trockenfutter und einen Wasserspender mit Wasser drin, aus dem ich nicht trinken konnte. Der hatte unten so eine kleine Röhre, aber ich wusste nicht, was ich damit anfangen sollte.

JANE: Den Nöppel unten nimmt man ins Maul und saugt, dann kommt Wasser raus.

HENRY: Hab' ich nicht hingekriegt. Die Kerstin hat mir dann einen Wassernapf hingestellt.

CLARA: Ach, also weil du das mit dem Spender nicht geschnallt hast, muss ich jetzt aus einem Wassernapf trinken, in dem sich die Jane dauernd die Füße wäscht?

HENRY: Nein, sondern weil die Kerstin gelernt hat, dass Näpfe hygienischer sind als Spender. Trotz der Füße. In den Spendern wohnen oft so kleine Tiere, die heißen Bakterien, und wenn wir die mittrinken, können wir krank werden.

JANE: Du, Henry, Bakterien sind keine… Ach, lass' gut sein. Im Ergebnis stimmt es ja. Außerdem sind saubere Füße wichtig, daran erkennt man eine feine Schweinedame. Und die Kerstin macht den Napf ja zweimal am Tag sauber.

TOFFEE: Wir trinken doch sowieso ganz wenig, weil wir so viel Gemüse und Salat kriegen. Und Gurken. Die sind ja schon voll mit lecker Schmatzigurken­wasser. (Wasser-im-Mund-zusammen-fließ-MUIG…)

Toffee

HENRY: Jedenfalls saß ich die ganze Zeit in dem Holzhaus und kam nur zum Essen raus. Und da hab ich vorher immer ganz genau gecheckt, ob ich auch wirklich allein im Zimmer bin. Ich hatte erst mal die Nase voll von Zweibeinern.

Henry

Ich meine, mein neues Zweibein war ja auf den ersten Blick ganz OK. Sie hat zweimal am Tag meinen Käfig saubergemacht und frische Einstreu 'reingetan, besonders unter das Holzhaus, weil ich da ja den ganzen Tag lang saß. Und ich hatte immer frisches Gemüse und Salat. Das war gar nicht schlecht als ich es allmählich probiert habe und auf den Geschmack kam. Sie hat auch immer lieb mit mir gesprochen. Aber ich war einfach misstrauisch. Meine ersten Menschen wirkten ja am Anfang auch ganz OK, aber als sie uns nicht mehr haben wollten, da haben sie dann ihr wahres Gesicht gezeigt. Ich dachte, dass alle Menschen so sind. Und dann gab es da draußen ja auch noch den großen schwarzen Hund, der durch die Wohnung lief.

TOFFEE: Ach ja, Mackenzie. Aber die ist doch harmlos.


Mackenzie

HENRY: Das wußte ich doch noch nicht. Jedenfalls hatte ich schreckliche Angst vor allem. Bei jedem Geräusch war ich ganz starr und wenn wer in die Nähe von meinem Käfig kam, hätte ich mich am liebsten unsichtbar gemacht. Und außerdem habe ich meinen Kumpel vermisst. Ich war sooooooooooooooooooooooooooooooo einsam! Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie schrecklich das ist, alleine zu sein. Ich hatte so Sehnsucht nach einem Kumpel oder einer Freundin. Niemand zum Erzählen. Keiner zum Kuscheln oder gemeinsam essen oder Freud' und Leid teilen.

Ja, und so vergingen die Tage.

So, genug erzählt für heute, nächste Woche geht es weiter. Ich bin schon wieder ganz schläfrig und brauche jetzt unbedingt eine Gurkenscheibe für meine trockene Kehle.

Du, Kerstin……..?

KERSTIN-ZWEIBEIN: Bin schon da. Hier, deine Gurkenscheibe.

MÄDELS-CHOR: Wir auch, wir auch?!

KERSTIN-ZWEIBEIN: Klar, meine Süßen.

HENRY: Also tschüss dann, mjamm schmatz, bis nächste Woche…

..... Fortsetzung folgt nächste Woche Samstag....

 


 

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok Ablehnen