HENRY: Hallo Leute, ich bin's wieder, euer Henry.

Heute erzähle ich euch, wie ich aus dem Wald gerettet wurde.

Ihr wisst ja, letzte Woche habe ich euch von der schrecklichen eiskalten Nacht be­richtet, nachdem ich einfach ausgesetzt wurde. Und nun wurde es allmählich wie­der hell und mit dem Licht kamen die ersten Menschen, die morgens ihre Hunde ausführten. Erst mal sind einige einfach vorbeigegangen, die mich gar nicht gese­hen haben. Aber je heller es wurde, umso besser konnte man meine weiße linke Seite aus dem Unterholz leuchten sehen. Die ersten Hunde fingen an zu bellen. Dann hörte ich, wie sich zwei Zweibeiner unterhalten haben. Einer sagte "Ist das ein Meerschweinchen?" Und der andere sagte "Ach Gott, das arme Ding." Und dann zogen sie ihre Hunde weiter und verschwanden.

JANE: Das ist einfach unfassbar!

CLARA: Die, die einfach wegschauen, wenn sie was Schlimmes sehen, sind genau so schlimm wie die, die das Schlimme gemacht haben!

TOFFEE: Genau! MUIG!                                                                                  

(Jung-Henry's weiße Seite)

HENRY: Auf einmal kam etwas Großes auf mich zugerannt und bei jedem seiner Sprünge schien der Boden zu beben. Ich wollte wegrennen, aber meine Beine wa­ren so kalt und steif und dann war es auch schon zu spät. Ich wurde vom Boden geschnappt und hing quer festgeklemmt im Maul eines großen struppigen grau­brau­­nen Jagdhundes. Der hielt mich so fest, dass ich mich nicht mehr bewegen konnte und ich dachte, gleich brechen meine Rippen oder er beißt mir ein Bein ab. Und ei­ner seiner unteren Zähne saß ganz besonders ungünstig an meinem hinteren En­de. Die Jungs wissen, was ich meine. Mann, war das schlimm. Damals war ich auch noch nicht kastriert.

TOFFEE: AUA-MUIG! Armer Henry!

HENRY: Jedenfalls war der ganz begeistert von der feinen Beute, die er da ge­macht hatte, und nun wollte er mich seinem Frauchen zeigen. Er ist quer durch's Un­terholz mit mir gerannt, mir war kotzschlecht.

JANE: Du, Henry, Meerschweinchen können nicht k…, ich meine, sich übergeben.

HENRY: Das weiß ich doch, hab' ich ja auch gar nicht. Mir war nur so schlecht, dass ich hätte können, wenn ich hätte können, verstehst du?

Der Hund bremste dann vor seinem Frauchen und war ganz stolz, das Wackelding hinten an ihm wackelte ganz doll. Aber sein Frauchen war gar nicht begeistert. Sie kreischte ganz laut und schrie den Hund an: "AUSAUSAUSAUSAUS…." Der hat das wohl verstanden und ließ mich ganz enttäuscht einfach auf den Boden fallen. Obwohl ich so zerschunden war, habe ich gemacht, dass ich wegkomme und bin wieder ins Unterholz gerannt. Aber da war die Mama Kerstin schon in der Nähe und hatte das gesehen.

TOFFEE: Gott sei Dank, viel länger hätte ich so eine schreckliche Geschichte auch nicht mehr ausgehalten.

JANE: Du musst dir das nur anhören, der arme Henry musste das in echt erleben.

TOFFEE: Seufz…


Toffee

HENRY: Da kam also dieses Zweibein, damals kannte ich die Kerstin ja noch nicht, und die hatte auch einen großen schwarzen Hund dabei. Den band sie dann an ei­nen Baum und sagte ihm, er müsse warten, weil das Schweinchen vor ihm Angst habe. OH JA! Hatte ich auch. Ich hatte aber auch keine Lust auf irgendein Zwei­bein, das mich fangen will. Das Zweibein kam dann langsam auf mich zu und sprach mit mir. Ich hab' immer gewartet bis es nahe dran war, dann bin ich wieder ein Stück weggelaufen. Aber ich war so erschöpft, dass ich gar nicht mehr konn­te.

Dann hat sich das Zweibein hingekniet und robbte auf allen Vieren langsam in mei­ne Richtung. Ich bin noch zweimal weggelaufen, aber das Zweibein kam immer wei­­ter hinter mir her und redete die ganze Zeit mit mir. Und ich war so müde und kalt und auf einmal dachte ich, das hat ja gar keinen Zweck mehr, weiter wegzu­lau­fen, weil ich ja ohnehin sterben muss. Und am Ende bin ich einfach sitzen ge­blieben und hab' auf das Zweibein gewartet. Und dann war es ganz nah bei mir und griff nach mir und ich habe gewusst, dass ich jetzt gefressen werde, aber ich konnte nichts mehr tun.

CLARA: Da fällt noch nicht mal mir noch was zum Lästern ein. Da hast du echt was ganz ganz Schlimmes erleben müssen.

HENRY: Aber als mich das Zweibein dann mit beiden Händen nahm und aufhob, da war das ganz vorsichtig und es machte seine Winterjacke oben auf und steckte mich da rein und auf einmal war es sooo warm und sooo kuschelig und sooo schön in dieser Höhle, dass ich mich fragte, ob ich gerade über die Regen­bogen­brüc­ke ge­gangen war und es gar nicht bemerkt habe und nun bin ich im Himmel. Das war also, wie die Mama Kerstin mich gefunden und gerettet hat.

JANE: Das ist eine schlimm-schöne Geschichte. Gut, dass sie so ein gutes Ende hat.

HENRY: Naja, sie ist ja noch nicht ganz zu Ende. So ein bisschen hat es auch nach Hundekacke gerochen und da dachte ich, im Himmel riecht es bestimmt nicht so.


Jane

TOFFEE: Warum? Kommen Hunde nicht in den Himmel?

JANE: Klar doch, Toffee, alle Tiere kommen in den Himmel. Und auch ein paar Menschen. Aber im Himmel riechen die Häufchen nicht.

CLARA: Ach, da laufen wohl kleine Engel mit Parfümzerstäubern 'rum und sprühen die Hinterlassenschaften an, oder wie?


Clara

HENRY: Hallo, Mädels, das hier ist meine Geschichte (streng-MUIG).

Also, die Mama Kerstin ist ja durch den Wald hinter mir her auf allen Knien. Und das Wäldchen, in dem ich saß, ist ein sehr beliebtes Wäldchen, jedenfalls bei Hun­den und ihren Besitzern. Und offenbar können Menschen das nicht, was wir Tiere können, denn ich habe keinen Haufen getroffen trotz der Rennerei, aber die Mama Kerstin hat wohl alle aufgewischt auf ihrem Weg hinter mir her und ihre Hose und die Ärmel waren ganz braun. Und gestunken hat das. Aber es war ihr ganz egal. Sie hat nur ganz lieb mit mir gesprochen und gesagt, sie hätte noch nie so ein kal­tes Tier­chen erlebt wie mich. Und dann ist sie noch eine ganze Weile durch das Wäld­­chen gelaufen und hat nach meinem Kumpel gesucht, weil ein anderer Zwei­beiner gesagt hat, er hätte noch ein Schweinchen gesehen. Und ich hab mich ganz fest an sie gedrückt, weil die Mama Kerstin so schön warm war, und hab gehofft, dass sie meinen Freund findet. Aber irgendwann sagte sie, es habe keinen Sinn mehr, sie müsse mich jetzt heimbringen und sich um mich kümmern. Also ist sie nach Hause gegangen und hat mich mitgenommen.

Zwei Tage später hat sie mir dann erzählt, dass ein anderes Zweibein meinen Freund im Wald gefunden hat, aber zu spät, da war er schon über die Regen­bo­gen­brücke gegangen. Er hatte sehr schönes bräunliches Fell, das war aber kürzer als meins und es hat ihn wohl nicht warm gehalten in der kalten Nacht. Die Mama Kerstin war so zornig über die Menschen, die uns ausgesetzt haben, und so trau­rig, dass mein Freund deshalb hat sterben müssen, dass sie geweint hat. Sie hat eine Kerze für ihn angezündet und zu mir gesagt, dass sie mich nie wieder hergibt und alles tun wird, damit es mir für den Rest meines Lebens gut geht.

TOFFEE: Das hast du aber auch verdient.

HENRY: Und seitdem versucht sie, ganz viel für Meerschweinchen in Not zu tun.

Tja, und wie es dann weiterging bei der Mama Kerstin zu Hause, das erzähle ich euch dann nächste Woche. Ich hab' nämlich schon wieder Hunger und müde bin ich auch nach der langen Geschichte.

Du, Kerstin, krieg' ich eine Gurkenscheibe? Meine Kehle ist wieder ganz trocken vom vielen Erzählen.

KERSTIN-ZWEIBEIN: Klar, Henry.

MÄDELS-CHOR: Wir auch, wir auch?!

KERSTIN-ZWEIBEIN: Klar, meine Süßen.

HENRY: Also tschüss dann, mjamm schmatz, bis nächste Woche…

..... Fortsetzung folgt wieder nächste Woche Samstag....


 

 

 

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