Da bin ich. Hallo allerseits! Herzlich Willkommen zur 73. Folge von WwW - Wilbert weiß Warum! Kastration!

 

*SCHRECK-MUIG* Alleine schon das Wort: Ka...Ka... Ka-Kas... tra... OH WEH!!! Schnipp-schnapp und ab!!! Nein, nein, für keine Erbsenflockenbelohnung der Welt mag ich mich heute, mit meinem besten Stück, für Eure Blitz-Dings und Fotoknipserei zeigen. Jawohl! Da sind wir Jungs echt empfindlich! Aber... naja, stimmt ja schon *hüstel-hüstel* das es wichtig ist, dass wir MÄNNER uns 'männlich-mutig-erhobenen-Hauptes' diesem Schritt... äh Schnitt unterziehen. Sonst könnte ich heute gar nicht mit meiner geliebten Sharlyn, der Kasumi und der Coffee zusammen leben. Montie und Bodie, Kumpels, ich drücke Euch heute die Daumen für die Statistenrolle!

Kastration:

Hat man sich als Meerschweinchenfreund dazu entschieden, dass einige kleine Fellknäule einziehen dürfen, stellt sich als erstes die Frage, in welcher Konstellation eine Gruppe zusammen leben soll. Die artgerechteste Haltungsform ist eine Haremsgruppe mit einem Bock und 1 bis 4 Damen. Natürlich darf der Bock nicht unkastriert mit den Weibchen gehalten werden, denn dies führt innerhalb von 68 Tagen zu unkontrollierten Nachwuchs. Der Tierschutzgedanke liegt privaten Notstationen, Vereinen wie uns und Tierheimen zugrunde, und Böcke werden daher nicht unkastriert abgegeben.

Böcke, die in reinen Männer-WG's gehalten werden, sind leider oft unkastriert. Aber man ließe ihnen mit der Kastration alle Möglichkeiten offen! In jeder Böckchengruppe kann es früher oder später Streit geben. Nichts ist trauriger, als wenn ein altes Böckchen, das zum Beispiel aufgrund gesundheitlicher Probleme nicht mehr kastriert werden kann, zu einem Leben alleine verurteilt ist. Zu Damen kann es nicht und ein neues Babyböckchen passt mit Alter und Anspruch nicht zu einem Schweineopi! Eine frühe und rechtzeitige Kastration hätte alle diese Probleme gelöst.

Allerdings ändert eine Kastration nichts oder wenig am Charakter der Tiere. Verstehen sich zwei gestandene und dominante Böcke nicht, wird der Eingriff diesbezüglich keine Wunder wirken. Neueste Untersuchungen von Prof. Dr. Dr. Sachser von der Universität Münster haben ergeben, dass sich der Charakter der Babys schon im Mutterleib prägt. Dies hängt u. a. an der Bildung von Testosteron, das die Mutter ausschüttet, wenn sie unter starkem Streß steht. Aus diesem Wurf geborene Weibchen sind kampfbereit und dominant, während die geborenen Böckchen oft unsozialer bleiben und sich schwerer in Gruppen integrieren können. Gerade für Bockgruppen ein ernst zu nehmender Umstand im Hinblick auf die Sozialisation. Die Kastration ändert somit nicht den Charakter, eröffnet aber den Weg zu den Damen!

Umso früher die Buben kastriert werden, umso besser. Bis zu einem Gewicht von 250 Gramm (im Alter von ca. 3 Wochen) spricht man von einer Frühkastration! Die Hoden sind im Bauchraum schon tastbar, aber noch nicht abgestiegen. Der unbestrittene Vorteil der Frühkastration ist, dass die kleinen Buben sofort nach der OP wieder zu ihrer Mama und ihrer Familie dürfen. Sie konnten vor dem Eingriff noch nicht decken und es muss keine Frist abgesessen werden. Meerschweinchenbuben mit 3 - 4 Wochen von der Mutter zu trennen und alleine zu setzen, um den Deckakt zu vermeiden, ist nicht förderlich für deren Entwicklung. Die Tiere sind nicht ausreichend sozialisiert und sie trauern! Zudem stimmt es nicht, dass Frühkastraten keinen männlichen Habitus entwickeln. Sie werden genauso ein schweinetypisches Verhalten zeigen und ihre Sexualität, während der Brünstigkeit mit den Weibchen, ausleben. Nur eben ohne ungeplanten Nachwuchs. Daher ist die Frühkastration immer sinnvoll. Werden Böcke nach dem Absteigen der Hoden kastriert, ist eine Absitzfrist von 4 Wochen einzuhalten. Manche Tierärzte raten zu 6 Wochen. Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass 4 Wochen ausreichend sind.

Zwei kürzlich aufgenommene Böcke, Bodie und Montie, wurden unkastriert aufgenommen und sind mit ihren Alter von einem halben Jahr bald ausgewachsen. Ihre Gurkenschnipplerin in der Pflegestelle hat den Kastraverlauf für unseren Wilbert dokumentiert:

 

Bodie, ein junger Mann...

 

... wie man sieht, mit bester Ausstattung!

 

Direkt nach der Operation! Nach 3 Tagen, schon abgeschwollen und gecremt!

 

Seine Medizin musste Bodie noch fünf Tage nach der OP nehmen, ein Antibiotikum und Schmerzmittel!

 

Und nach 10 Tagen und dem Fädenziehen sieht alles super aus!

 

Bodie hat seine Kastration sehr gut überstanden und ist sooo glücklich, in weiblicher Gesellschaft leben zu dürfen. Mit seinem Kumpel Montie gab es nämlich Jungskrawall! Bodie hat vergangene Woche bereits ein neues Zuhause gefunden und wir wünschen ihm viel Glück in seinem neuen Leben.

Hier eine kurze Kastra-Checkliste:

  Eingehende Untersuchung des Böckchens durch den TA, ob das Tier gesund ist und dem Eingriff nichts im Wege steht.

 Kastration mittels Inhalations-Narkose oder einer Triple-Injektion mit Antidot (=Aufwachspritze). Mittlerweile wird die Triple-Injektion sehr oft durchgeführt, da sie eine Schmerzmedikation während der OP beinhaltet und noch schonender geworden ist.

 Nach der Kastration ist eine ausreichende Überwachung des Tieres wichtig, ausreichende Wärme und das Sitzen auf trockenen Tüchern. Frühkastrate dürfen sich dann gleich von Mami trösten lassen! :-)

 Nach der Kastration 5 Tage Antibiose, Schmerzmittel und für den Darm eine Probiose.

 Tgl. Check der OP-Narbe und dem Allgemeinbefinden des Tieres.

Empfohlen ist 2 Tage nach dem Eingriff eine Vorstellung beim Tierarzt, ob eine Schwellung/Rötung zu sehen ist und wie die Narbe sich entwickelt. Evt. Wundbehandlung mit Vulnoplant o.ä.!

 Fäden ziehen (wenn nicht mit selbstauflösendem Faden vernäht) nach 10 Tagen.

Zum Abschluss nach dem Fadenzug noch 2 - 3 Tage tgl. Kontrolle, da durch die "Fadenlöchlein" noch einmal Entzündungen entstehen oder Bakterien eintreten können.

 Die Absitzzeit bei Tieren, die mit abgestiegenen Hoden kastriert wurden, unbedingt einhalten! Regelmäßige Narbenkontrolle. Das Gewebe kann sich noch einige Wochen lang verändern und, wie gewünscht, zurückbilden!

 

Also, man und "schwein" sieht: Eine Kastration ist sehr gut machbar. Natürlich darf sie nicht auf die leichte Schulter genommen werden, denn sie ist immerhin ein Eingriff. Als Gurkenschnippler sollte man sich ausführlich beim Tierarzt informieren, ob er mit Meerschweinchen vertraut ist. Es können, egal wie gut der TA arbeitet,  immer Abzesse entstehen und nicht jedes Tier kommt mit der Narkose gut zurecht. Die Verdauung nach der Kastra muss beobachtet werden und die Nachsorge ist sehr wichtig. Doch wiegt dies die Freude auf, wenn jedes Bübele bei seinen Damen sein darf. Und auch Montie, der hübsche Kerl, hat alles gut überstanden!

 

Vor der OP noch das Lächeln auf den Lippen...

 

... hat er seine Medizin danach sehr artig genommen!

 

Montie, der hübsche Charmeur...

 

hat sich nun stolz für das SOS-Shooting in Pose geworfen. Und auch für ihn hat sich das, für die Männer so sehr gefürchtete "Schnipp-Schnapp", gelohnt. Eine liebe Gurkenschnipplerin hat sich über die Vermittlungsseite schon in ihn verliebt und er darf bald, mit 2 Damen, in sein neues Zuhause ausziehen!

 

***Genau-muig*** So ist das! Viel Spaß beim Lesen und bis nächsten Sonntag, wenn es wieder heißt: WwW - Wilbert weiß Warum

Die alten Folgen von WwW können hier nachgelesen werden: Wilbert weiß Warum!

 


 

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