Da bin ich. Hallo allerseits! Herzlich Willkommen zur 64. Folge von WwW - Wilbert weiß Warum! Patientenpflege

 

*Leises-Huhu-muig* Ich bin noch ein bißchen wackelig auf meinen Pfötchen, deshalb kann ich Euch noch gar nicht viel erzählen. Bolle hat mich ja letzte Woche prima vertreten, so dass ich mich noch ausruhen konnte. Bei der heutigen "Patientenpflege" muss ich auch gar nicht viel sagen, sondern nur zustimmend nicken, da ich alles gerade erst erlebt habe. Ach menno... das braucht kein Schweinchen! Und es geht dabei auch um Euch Gurkenschnippler, also alle mal zugehört!

Patientenpflege:

Man kann seine Meerschweinchen noch so behütet halten, den TÜV regelmäßig durchführen, auf die Ernährung achten und eine hervorragende Stallhygiene praktizieren, es passiert einfach: Ein Tier wird krank. Manchmal sogar die ganze Gruppe! Man fragt sich, wie in Wilberts Fall, was man falsch gemacht hat, wo man hätte aufmerksamer sein können oder WARUM das geschieht. In den meisten Fällen gibt es darauf keine Antwort. Jedes kleine Tier trägt sein Päckchen in sich und manchmal kommt der Zeitpunkt, da eine versteckt liegende Krankheit ausbricht, sich ein Tier verletzt oder irgendwo ansteckt.

Gesunde Meerschweinchen machen schon viel Arbeit! :-) Es muss sauber gemacht und Gemüse geschnippelt werden, Heu geholt und Einstreu entsorgt. Und ist man als Gurkenschnippler nicht schnell genug, wird es mit einem ungeduldigen Quieken quittiert, denn die schmutzige Hängematte soll, nach Meinung der kuschelnden Vierbeiner, möglichst zeitgleich ausgehängt, gewaschen, getrocknet und wieder eingehängt werden! Wenn ein Meerschweinchen nun krank ist, fängt die Arbeit für uns Halter erst richtig an!

Der kleine Patient wird das "krank sein", solange er kann, verheimlichen. Wenn es auffällt, dass etwas nicht stimmt und das Schweinchen das Fressen einstellt, oder vor Schmerz gekrümmt kauert, liegt die Welt schon im argen. Wenn ein Meerschweinchen das Fressen, durch welche Erkrankung auch immer, komplett einstellt, hat man als Halter 24 Stunden! Ohne das Päppeln, auch zufüttern genannt, hat der kleine Fellfreund kaum eine Chance. Wenn der Tierarzt das Zufüttern anordnet, sollte 4 - 6 mal innerhalb eines Tages/Nacht gefüttert werden. NICHT nur alles auf ein mal und dann lange nichts. Der Richtwert dafür ist 1/20 des Körpergewichts des Tieres. Das bedeutet, bei einem 1000 g schweren Schweinchen sollten ca. 50 g in Breiform gegeben werden.

Antibiotika müssen, wie bei uns Menschen, immer zur selben Zeit verabreicht werden! "Also bedenke, wann Du startest!" Montags ist das nicht so leicht machbar, wie es Samstags noch am vormittag schien, wenn man in der Woche auf dem Arbeitsplatz ist! *Seufz* Auch das Probiotikum muss dann noch zeitversetzt gegeben werden und den Tierarztcheck darf man sowieso nicht versäumen. So, und dann macht der kleine Patient noch nicht mal mit!!! Manchmal bedeutet das, dass man noch eine zweite Person zum Festhalten braucht, weil das Meerschweinchen unglaubliche Zappelkünste aktiviert, beim Päppeln alles wieder ausspuckt oder man die orale Medizingabe gar nicht erst ins Mäulchen bekommt.

   So, und jetzt ist Stress!!!  

Es ist eine unglaubliche nervliche Belastung für die Halter, ein Tier zu fixieren und Medizin zu geben. Oder Angst um sein Tier zu haben, ob es wieder gesund wird. Und manchmal zu entscheiden, ab wann man es gehen lässt... Neben den Kindern, dem Haushalt, der Arbeit, dem Sportclub und den sonstigen Verpflichtungen kann einen die Patientenpflege schnell an den Rand der Kräfte bringen. Klar, es ist anstrengend nachts um 3 Uhr aufzustehen und die grüne Päppelpampe anzurühren. Nur sind es wir Menschen, die die Verantwortung für die kleinen Knöpfe übernommen haben. Und wenn alles überstanden ist, und die kleinen Schweinegesicht'chen wieder, nach Gurke muigend, an den Gehegerand gehüpft kommen, dann weiß man, für was man das gemacht hat. Aber bis dahin kann das belastend sein!

Deshalb eine Bitte an alle, die kleine Patienten pflegen: Gebt nicht auf, auch wenn es schwer wird oder man keine Lust darauf hat. HOLT HILFE, wenn es alleine nicht klappt. Vielleicht kann die Nachbarin tagsüber schauen. Im Akutfall bitte das Schweinchen beim Tierarzt zur Versorgung auf die Tagesstation geben oder man fragt bei den Notstationen um Unterstützung! Es gibt immer Lösungen!

Und hier noch einige Pflegetipps, die im Umgang mit den Tieren helfen:

  Wenn ein Meerschweinchen noch NIE Päppelbrei von einer Spritze genommen hat, und der Halter unsicher ist, weil er noch NIE etwas oral verabreicht hat, sind beide unsicher! Zwei- und Vierbein! Es hilft, in regelmäßigen Abständen (wie bei TÜV) mit den Tieren spielerisch "zu üben"! Das wird in jedem Zoo ganz selbstverständlich gemacht. Einfach etwas leckeres wie Heutee oder pürierte Wassermelone in eine 1 ml-Spritze geben und jedes Tier darf im Gehege mal naschen. Dann kennen die Tiere die Spritze nach einigen Übungen schon! Auch der Geschmack von Päppelbrei (Critical Care, RodiCare oder Herbi Care Plus o.ä.) darf geübt werden. Natürlich schmeckt es im Krankheitsfall nicht, aber dann ist der Brei nicht komplett unbekannt.

  Auch das gesunde Tier mal heraus nehmen und fixieren und eine schmackhafte "Melonenmedizin" oral verabreichen. Mancher mag nun sagen: "Das ist aber unnötig." Doch ist Tier und Mensch geholfen, wenn beide wissen, wie es geht. Denn es ist noch schwerer, wenn das Tier z.B. eine Bauchnaht nach einer OP hat und man gar nicht mehr weiß, wie man das Meeri anfassen soll.

  Mit guten Bekannten und Freunden, denen man vertraut, sprechen und schon im Vorfeld fragen, wer im Notfall einspringen könnte. So können sich die "Aushilfskrankenpfleger" mit den Tieren vertraut machen und man kommt erst gar nicht in solche absoluten Extremsituationen, im Krankheitsfall unter Zeitdruck alles zu erklären!

  Was man im Haushalt auch haben sollte: Ein Wäremelampe erweist sich oft als nützlich. Oder auch die Möglichkeit, im Bedarfsfall eine Quarantäne einzurichten. Besonders bei Außenhaltung, wenn ein Tier von draußen nach drinnen geholt werden muss.

  Schokolade, Kekse, und die Lieblingschips für die Nerven der Gurkenschnippler. Taschentücher in Reichweite beim Überlaufen und manchmal ein Schlückchen Wein, wenn das Schweinchen "gepampert" für die Nacht ist und man auf dem Sofa zusammenbricht.

 

  Und nicht aufgeben: "Jeder muss mal gehalten werden!"

 

***Genau-muig*** So ist das! Viel Spaß beim Lesen und bis nächsten Sonntag, wenn es wieder heißt: WwW - Wilbert weiß Warum

Die alten Folgen von WwW können hier nachgelesen werden: Wilbert weiß Warum!

 

Zu den, im WwW, verlinkten Seiten:
In einem Urteil vom 12.05.1998 hat das Landesgericht Hamburg entschieden, dass man durch die Ausbringung eines Links die Inhalte der gelinkten Seiten ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann nur verhindert werden, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert.
Hiermit distanziert sich Wilbert von Weizen ausdrücklich von den Inhalten der gelinkten Seiten in seiner Kolumne auf der Homepage von SOS Meerschweinchen!

 


 

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