logotype
  • image1 Die Tiere empfinden wie der Mensch Freude und Schmerz, Glück und Unglück.................... Charles Darwin
  • image2 Tierschutz ist kein Anlass zur Freude, sondern sich zu schämen, dass wir ihn überhaupt brauchen...... Erich Gräßer
  • image3 Alle lebenden Kreaturen haben die gleiche Seele, auch wenn ihre Körper verschieden sind....... Hippokrates

Am 14.Januar veröffentlichte der Mannheimer Morgen einen Artikel mit Forschungsergebnissen einer Studie über das Verhalten von Meerschweinchen der Uni Wien. Ich fand diesen nicht so gelungen, einerseits wurden die Forschungsergebnisse sicher sehr verkürzt widergegeben, andererseits konnte der widergegebene Inhalt so aus meiner Sicht auch nicht stehen bleiben. Etwas verärgert habe ich dann den ersten Leserbrief meines Lebens geschrieben und online an den Mannheimer Morgen verschickt. Ich hatte eigentlich überhaupt nicht damit gerechnet, dass dieser überhaupt veröffentlicht wird, denn das Thema war ja nun nicht von so allgemeinem Interesse wie z.B. die derzeitige Häufung von Schlaglöchern auf den Straßen in diesem Winter....
Aber siehe da, letzten Samstag war ich tatsächlich "drin",  ich traute meinen Augen kaum....

Nun, liebe Leser, Ihr könnt Euch ja selbst mal ein Bild machen:

Wissenschaft
Meerschweinchen: Liebe macht blind

Wien. Im Liebesrausch kann man nicht klar denken. Was bei Menschen schon lange vermutet wurde, haben Forscher der Universität Wien nun zumindest an Meerschweinchen bewiesen.

Single-Tiere fanden bei der Studie deutlich schneller und effektiver im Labyrinth verstecktes Futter als Pärchen. Die seien zu sehr auf ihr Objekt der Begierde fixiert gewesen, lautet die Erklärung der Studie. In einer früheren Untersuchung habe man bereits nachgewiesen, dass als Paare gehaltene Meerschweinchen deutlich höhere Mengen des "Liebes- und Glückshormons" Oxytocin im Körper hätten als Einzelgänger, berichtete der Verhaltensbiologe und Studienleiter Ivo Machatschke in Wien. Die Forscher betonten, dass die Meerschweinchen-Paare frisch verliebt waren - langfristig in einer Beziehung lebende Tiere seien den allein gebliebenen überlegen. dpa

Mannheimer Morgen
14. Januar 201
 
Und hier mein Leserbrief dazu:

Wissenschaft: "Liebe macht blind", Bericht vom 14. 1.
Meerschweinchen sind Rudeltiere

Ihren Bericht von Forschern der Uni Wien über das Verhalten von Meerschweinchen halte ich für ziemlich kontraproduktiv, da es wieder viele Halter in ihrer irrigen Meinung bestärken wird, man könne Meerschweinchen getrost allein halten (denn dann sind sie ja angeblich am cleversten). Dabei sind es Rudeltiere, Einzelhaltung ist eine Qual für sie. Wenn man Meerscheinchen neu zusammensetzt, dann sind sie auch nicht "verliebt", sondern mit Rangordnung/Brunftverhalten beschäftigt und dadurch natürlicherweise gestresst, weshalb man die Zusammensetzung einer Gruppe auch nicht beliebig oft ändern sollte.

Wir kämpfen seit Jahren für die artgerechte Haltung dieser Tiere, und so ein Artikel ist für uns ein ziemliches Desaster. Im letzten Nebensatz steht zwar, dass Tiere in einer längerfristigen Beziehung den anderen überlegen sind, aber eben nur kurz am Schluss. Schade!

Sabine Siegert, Vorstandsmitglied vom Verein SOS Meerschweinchen e. V., Mannheim

Mannheimer Morgen
22. Januar 2011

Darunter fand sich noch ein Foto (so ähnlich wie dieses hier von unsererm ehemaligen Vermittlungsschweinchen Marieketa und ihrer Gefährtin Nahla) von zwei Meerschweinchen mit dem Untertitel:

"Diese Meerschweinchen haben´s gut - sie sind zu zweit"

Die Redaktion war anscheinend lernfähig.....
Ich habe mich jedenfalls riesig gefreut, dass mein Artikel zu lesen war!

Und wen es interessiert hier noch der eigentliche, nicht gekürzte Artikel, den ich im Internet "gegoogelt" habe (Quelle: www.focus.de)

Im Liebesrausch kann man nicht klar denken. Was bei Menschen schon lange vermutet wurde, haben Forscher der Universität Wien nun zumindest an Meerschweinchen bewiesen.

Single-Tiere fanden in ihrer Studie deutlich schneller und effektiver im Labyrinth verstecktes Futter als Pärchen. Die seien zu sehr auf ihr lebendiges Objekt der Begierde fixiert gewesen, lautet die Erklärung der Studie. Sie wird im März im Journal „Physiology & Behaviour“ veröffentlicht.

In einer früheren Untersuchung habe man bereits nachgewiesen, dass als Paare gehaltene Meerschweinchen deutlich höhere Mengen des „Liebes- und Glückshormons“ Oxytocin im Körper hätten als Einzelgänger, berichtete der Verhaltensbiologe und Studienleiter Ivo Machatschke in Wien. Mit der neuen Untersuchung habe man herausfinden wollen, wie sich dies auf das Lern- und Erinnerungsvermögen auswirkt.

Paarfixierung schadet dem Überleben
Für ihre Tests beobachteten die Forscher über Wochen zwei Gruppen von Meerschweinchen: allein- und als Paar gehaltene Tiere. Sie mussten an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen Futter, das immer an der selben Stelle im Labyrinth lag, finden. Während die Paar-Tiere jeden Tag wieder neu suchten, erinnerten sich die Singles an die Stelle und fanden sie mit der Zeit deutlich schneller. „Die (Paar-)Tiere sind enorm auf den anderen Partner fixiert“, erklärte Machatschke den Unterschied.
Doch Liebe macht die Tierchen nicht nur begriffsstutzig, sie stresst sie auch noch: Die Forscher wiesen bei den Paaren einen deutlich höheren Wert des Nebennierenhormons Kortisol nach.

Die einsamen Tiere hatten das nicht, was auch ihre Cleverness erklären könnte. „Dies deutet auf einen weniger stark belasteten Hippocampus – den Ort im Gehirn, an dem Informationen verschiedener sensorischer Systeme zusammenlaufen – und damit bessere Verarbeitung räumlicher Informationen hin“, sagte Machatschke.
 
Die Forscher betonten jedoch, dass sich ihre Meerschweinchen-Paare gerade erst kennengelernt hatten und damit frisch verliebt waren. Langfristig seien in einer Beziehung lebende Tiere den allein Gebliebenen überlegen. Frühere Untersuchungen an Ratten und Mäusen hätten gezeigt, dass ein intaktes soziales Umfeld die räumliche Lern- und Gedächtnisleistung verbessere.