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Meerschweinchen

Wissenswertes von A bis Z - Heute zum Thema:

Päppeln

Alle Angaben und Tipps und Tricks setzen IMMER eine parallele tierärztliche Behandlung bei einem meerschweinchenerfahrenen Tierarzt voraus. Wenn Sie sich unsicher sind, dann sprechen Sie vor Umsetzung unserer Vorschläge alles mit Ihrem Tierarzt ab!



Fressen Meerschweinchen nicht, muss schnell gehandelt werden. Neben dem direkten Gang zum Tierarzt, muss nach Absprache mit diesem sofort (ggf. auch noch vor der Behandlung im Wartezimmer) damit begonnen werden, das Tier zuzupäppeln. Die Darmbewegung des Meerschweinchens hängt mit von der aufgenommenen Menge Rohfaser ab. Nimmt das Tier also zu wenig geeignetes Futter auf, kann dies die Verdauung verlangsamen und schlimmstenfalls zum Stillstand führen. Bei Meerschweinchen können bereits bei mehreren Stunden ohne Nahrungsaufnahme Aufgasungen entstehen, die schnell lebensbedrohlich werden können.


Oft gehen der Fressunlust schon einige Tage oder sogar Wochen Probleme voraus. Diese werden aber meist nicht erkannt, da Meerschweinchen gute Schauspieler sind, und Erkrankungen vor den anderen Tieren im Rudel verbergen. Wichtig ist daher wöchentliches Wiegen und die Gewichte zu notieren, um so schnell Veränderungen zu erkennen. Ebenso sollte man das Tier in diesem Zuge genau anschauen und abtasten. Viele Erkrankungen können durch den wöchentlichen TÜV frühzeitig erkannt und Schlimmeres verhindert werden.



Sollten Sie sich dennoch in der Situation finden, Ihr Tier Päppeln zu müssen, haben wir hier einige Tipps und Tricks zusammengefasst. Womit kann man päppeln? Wie setzt man den Brei an? Wie oft gibt man ihn? Und wie verabreicht man diesen dem Tier?

Perfekt wäre es, wenn man sich beim ersten Päppel-Fall direkt beim Tierarzt einmal zeigen lässt, wie genau alles funktioniert.


Päppelpulver

Päppelpulver gehört in die Schweinchen-Apotheke mindestens so dringend wie die Krallenschere. Von diversen Herstellern werden mittlerweile Päppelpulver angeboten. Zu Beispiel gibt es Rodicare instant, allrodin Päppelpulver, PlantaPep oder Critical Care Herbivore.

Diese können für einen begrenzten Zeitraum die alleinige Nahrung für ein Meerschweinchen sein, ohne dass ernährungsbedingte Mangelerscheinungen zu erwarten sind. Es sollten immer bekanntes Frischfutter sowie frisches Wasser und Heu parallel angeboten werden, da dieses dem Päppelfutter immer vorzuziehen ist - Voraussetzung dafür ist aber natürlich, dass das Tier überhaupt selbstständig Futter in ausreichender Menge aufnimmt.

Die Akzeptanz des Päppelbreis hängt zum großen Teil vom individuellen Geschmack des Tieres ab. Daher empfiehlt es sich, zwei oder mehr verschiedene Sorten zuhause zu haben. So kann man sich die Arbeit im Notfall leichter und dem Tier das Procedere stressfreier machen, indem man vielleicht eine Variante da hat, die dem Tier tatsächlich schmeckt.


Päppelbrei

Am Besten füllt man das Pulver in z.B. ein Schnapsglas und rührt nach und nach immer wieder ein bisschen mehr lauwarmes Wasser oder großteils abgekühlten z.B. Fenchel-Anis-Kümmel-Tee ein.  

Ein Teil des Wassers kann auch durch z.B. Karottenbrei ausgetauscht werden. Welche Konsistenz man anstrebt, hängt davon ab, wie man den Brei anbietet/eingibt. Frisst das Tier diesen selbstständig, kann man es mit etwas weniger Wasser testen und schauen ob es den "pampigeren" Brei aus einer Schüssel oder als kleine geformte Kugeln frisst.

Muss man den Brei über eine Spritze eingeben, benötigt man etwas mehr Wasser, damit dieser den dünnen Teil der Spritze gut passieren kann. Ist die Mischung jedoch zu dünn, müssten wir viel mehr Volumen ins Schwein bekommen um die nötige Menge Pulver zu erreichen. Daher am Besten herantasten, wie Sie und Ihr Tier am Besten zurecht kommen.


Menge und Häufigkeit

Die Menge hängt vom Fressverhalten und Gewicht des Tieres, dem gewählten Pulver und der Konsistenz ab. Sprechen Sie dies mit dem behandelnden Tierarzt ab oder richten Sie sich nach den Herstellerangaben.

Frisst das Tier zum Teil noch selbstständig, kann es ausreichen, 3x täglich zuzufüttern. Hier muss es dann auch nicht die Gesamtmenge der Tagesration sein sondern entsprechend des Fressverhaltens weniger.

Frisst das Tier gar nicht, sollte 5-6x täglich zugefüttert werden. Auch nachts sollten dann nicht mehr als 6 Stunden zwischen den Fütterungen liegen.

Nimmt das Tier trotz Päppeln ab oder zeigt Anzeichen für Blähungen, sollte man den Tierarzt konsultieren und besprechen, ob die Brei-Menge, Fütterungsfrequenz und/oder der Behandlungsplan angepasst werden müssen.


Päppelspritzen

Es gibt Eingabespritzen für Päppelbrei, die zwischen 3ml und 20ml Fassungsvermögen haben. Praktisch geeignet sind meist 10ml-Spritzen, da hier nicht bzw. nicht oft nachgefüllt werden muss und trotzdem eine genaue Dosierung der Portionsgröße möglich ist.

Nicht alle auf dem Markt verfügbaren Spritzen sind gleichermaßen geeignet. Wichtig ist, dass die Öffnung vorne breiter ist als bei den klassichen (Luer Ansatz) Spritzen, damit der Brei nicht zu flüssig sein muss. Der dünnere Teil vorn (Konus) sollte länger sein als bei klassischen Spritzen, damit man den Brei korrekt eingeben kann und weniger ausgespuckt wird. Zudem bietet es sich an, Spritzen mit einem leicht herausnehmbaren Kolben zu wählen, da man den Brei dann einfach hinten durch die große Öffnung der Spritze mit z.B. einem Löffel einfüllen kann statt ihn mühselig/vergeblich aufzuziehen.

Da die Spritzen für die orale Eingabe genutzt werden, können diese je nach Herstellerangaben und unter ausreichenden hygienischen Voraussetzungen auch wiederverwendet werden.

Päppelvorgang

Voraussetzung um überhaupt zu Päppeln ist, dass das Tier abschluckt und keine Atemprobleme zeigt. Bei fehlendem Schlucken oder Atemproblemen sofort die Eingabe stoppen und unverzüglich tierärztliche Hilfe suchen.


Nun gilt es, den Päppelbrei in das Meerschweinchen zu bekommen, ohne das Tier unnötig zu stressen. Im Idealfall hat man einen Kandidaten, der im Gehege freiwillig genug Brei aus der Schüssel frisst. Oder einen, der ihn zumindest freiwillig im Gehege aus der Spritze nimmt. Oder einen, den man nur auf dem Tisch vor sich setzen und das Köpfchen ein wenig halten muss, damit er größtenteils freiwillig aus der Spritze frisst.

Und dann gibt es den, der sich mit allem wehrt was er hat, obwohl er die Päppelfütterung so dringend braucht - für diesen wehrhaften Kandidaten ist es unerlässlich, sich die richtige Fixiertechnik vom Tierarzt zeigen zu lassen.


Ist der Patient bereit, wird die Spritze schräg seitlich hinter den Schneidezähnen ins Mäulchen eingeführt und der Brei portionsweise Richtung Mundmitte (nicht Richtung Rachen) platziert, um ein korrektes Abschlucken zu ermöglichen. Der Brei wird in kleinen Portionen, abhängig von Zustand und Kau- und Schluckbewegungen, eingegeben.


Hier zur Veranschaulichung einmal 0,2ml, 0,4ml, 0,6ml, 0,8ml und 1,0ml Päppelbrei
Hier zur Veranschaulichung einmal 0,2ml, 0,4ml, 0,6ml, 0,8ml und 1,0ml Päppelbrei

Als Obergrenze gilt die Portionsgröße von 1ml. Zwischen den Gaben muss sichergestellt werden, dass das Tier abschluckt und keine Atemprobleme zeigt. Erst nach vollständigem Abschlucken darf die nächste Portion eingegeben werden.


Spendenkonto bei der Sparkasse Vorderpfalz:

Kontoinhaber: SOS Meerschweinchen

IBAN: DE97 5455 0010 0000 027748

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