Wilbert weiß Warum!

"Da bin ich. Hallo allerseits!
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WwW - Wilbert weiß Warum!
Heute mit im Gepäck:
Folge 12
Fleecehaltung - eine Ergänzung aus der Zukunft 🔮

Wie in Folge 11 angekündigt grätsche ich Wilbert hier aus der Zukunft in seine Weisheiten und erweitere diese posthum ein wenig. Ich denke es wäre in seinem Sinne.
Wilbert hat im letzten Artikel so schön ausführlich über Einstreu berichtet, aber 2013 war Fleecehaltung eben noch nicht so präsent wie heute, daher hat er das Thema komplett verschwitzt.
(Man fragt sich, woher dann das Foto kommt, von Wilbert auf Fleece. Tja, das kommt später in einem Beitrag zu Songmics-Steckgehegen nochmal. Aber hier passt es so gut rein, dass das Foto einfach recycelt wird ♻️)
Fleecehaltung
Was ist das überhaupt?
Bei der klassischen Haltung laufen Meerschweinchen auf Einstreu, die Urin aufnimmt und Gerüche bindet - logisch, das hat Wilbert euch ja schon ausführlich erklärt.
Bei der Fleecehaltung wird stattdessen mit mehreren Lagen Stoff gearbeitet. Die oberste Schicht besteht meist aus Fleece (Überraschung - daher der Name). Darunter befinden sich saugfähige Schichten, die den Urin aufnehmen und speichern.
Das Ziel: Die Oberfläche bleibt möglichst trocken, während die Feuchtigkeit nach unten transportiert wird.
Ganz vereinfacht gesagt:
Oben durchlässig – unten saugfähig.💧
Wie sieht der Aufbau aus?
An sich sind es einfach ausgeschnittene Stofflappen, die miteinander vernäht werden.
Das Ergebnis nennt sich: Pipi-Pad ✨
Allerdings spielt es eine große Rolle, welcher Stoff in welcher Reihenfolge vernäht wird.
Als Deckschicht eignet sich Fleece sehr gut. Es ist einerseits weich und plüschig und andererseits in der Regel gut Feuchtigkeits-Durchlässig. Nun gibt es aber leider zig verschiedene Fleece-Varianten. Ich persönlich fahre mit den 0815-billig-Fleecedecken aus dem schwedischen Möbelhaus oder Discountern eigentlich wirklich gut. Vermutlich ist es für diesen Einsatzzweck sogar sinnvoll, wenn das Fleece nicht den höchsten Qualitätsansprüchen genügt.
Je nach dem, wofür genau das Pipi-Pad gedacht ist (Ja, es gibt verschiedene Einsatzgebiete, dazu kommen wir noch) kann unter das Fleece eine Schicht Volumenvlies gepackt werden, damit es richtig schön weich wird.
Das Herzstück des Pipi-Pads ist die saugfähige Unterlage, die zugleich nach unten hin wasserdicht sein sollte. Dazu eignen sich waschbare Inkontinenz-Unterlagen mit wasserdichter Rückseite sehr gut - sofern man sie richtig rum vernäht. Sonst erreicht man das exakte Gegenteil.
Also, wir haben:
Fleece
Optional: Volumenvlies
saugfähige Seite der Inko-Unterlage
wasserdichte Seite der Inko-Unterlage
Wie komme ich an Pipi-Pads?
Die können ganz einfach im Internet bestellt werden. Es gibt Shops, die sich darauf spezialisiert haben. Wenn sie perfekt für das Gehege passen sollen, ist es aber sinnvoll, selbst zur Nähmaschine zu greifen 🪡
Von Maßanfertigungen durch besagte Shops habe ich bisher noch nichts gehört, lasse mich aber gerne eines Besseren belehren. Daher: Belehrung gesucht!
Beim Selbernähen am Besten alle Stoffe noch vor dem Zuschnitt ✂️ so waschen, wie sie zukünftig gewaschen werden sollen (die meisten Fleece- und Vliesstoffe sind eigentlich nicht für 60° ausgelegt, halten dies aber in der Regel trotzdem recht gut aus - eingehen können sie allerdings. Und wenn fest vernähte Schichten verschieden eingehen hat man zum Schluss ein krummes Pipi-Pad. Braucht kein Mensch.)
Ganz unabhängig vom Risiko des Schrumpfens ist der Fleece direkt aus dem Geschäft vermutlich noch nicht wasserdurchlässig genug. Das heißt: ab in die Waschmaschine. Vielleicht sogar mehr als einmal. Bevor ihr mit dem Zuschnitt beginnt, solltet ihr testen, ob das Fleece "bereit" ist: Tropft ein paar Tropfen auf den Fleecestoff. Wenn es durchsickert und sich oben relativ trocken anfühlt, seid ihr good-to-go. Falls Nässe oben stehen bleibt: Noch eine Runde in die Waschmaschine 🫧
Wichtig ist es, keine Weichspüler zu nutzen. Diese enthalten in der Regel emulgierte Fette, die sich zwischen die Fasern des Fleecestoffes setzen können und diesen dadurch weniger durchlässig machen.
Warum aber überhaupt Fleece?
Weniger Müll - logisch, kein Streu das entsorgt werden muss
Weniger Staub - zumindest der vom Einstreu bleibt aus. Heu brauchen die Schweinchen ja trotzdem
Die Schweinchen kommen leichter vom Fleck - gerade Senioren mit Gelenkbeschwerden tun sich auf Fleece oftmals leichter. Der Widerstand des Durchs-Streu-Watens fällt weg.
Bessere Kontrolle bezüglich Kot- und Urinabsatz - die Böhnchen 💩 liegen direkt auf dem Fleece und lassen sich prima begutachten. Blasengrieß fällt auf Fleece häufig schneller auf (gelblich-cremefarbene Ablagerungen die aus Mineralstoffen bestehen die sich in der Blase verklumpt haben - bitte beim Tierarzt abklären lassen)
Was spricht dagegen?
Viel Wäsche - Logisch, was früher im Müllsack entsorgt wurde muss jetzt in die Waschmaschine. Natürlich hat Fleece viel weniger Volumen als z.B. Holzspäne, aber bei Haltung auf artgerrecht großer Fläche kommt da dennoch gut was zusammen.
Mikroplastik - Ein Nachteil, der nicht die Schweinchen, sondern die Umwelt betrifft.
Höhere Anschaffungskosten - zumindest initial. Je nach Gehegegröße und Wasser- und Stromverbrauch kann Fleecehaltung langfristig gesehen aber günstiger sein als ständig Einstreu zu kaufen und ggf. kostenpflichtig zu entsorgen.
Häufigere Reinigung - Einstreu in der richtigen Dicke vergibt es, wenn man mal einen Tag die Pipi-Ecken nicht gesäubert hat. Fleece ist da nachtragender, hier sollte man hinterher sein, damit die Schweinchen auch wirklich im Trockenen sitzen und sie nicht ständig Böhnchen an den Füßen kleben haben.
Wie aber funktioniert das im Alltag?
In der Regel hat man mindestens zwei Garnituren "Basis-Pads", die den gesamten Fleece-Bereich bedecken.
Damit diese nicht täglich gewechselt werden müssen, hat man dazu noch einige Pipi-Pads, die man unter die Häuschen, Tunnel, Hängematten und eben alle höher frequentierten Stellen legt. Die Pipi-Pads müssen in der Regel täglich, je nach Gehege und Schweine sogar mehrfach täglich getauscht werden.
In die Pipi-Pads kann man auch das zuvor erwähnte Volumenvlies nähen, damit es besonders kuschelig-weich für die Fellnasen ist. Für die Funktion an sich ist es aber eher unerheblich.
Wir haben davon gesprochen, dass Urin versickert. Ja. Böhnchen, Fell, Heu und Futterreste tun das allerdings nicht. Daher sollte mindestens täglich, je nach Bedarf mehrfach täglich "durchgefegt" 🧹 werden. Pipi-Pads die noch nicht feucht sind kann man meistens gut ausschütteln, die "Basis-Pads" sind meistens größer und unhandlicher. Dafür eignet sich ein Gummifeger mit Schäufelchen.
Man kann auch Einstreu und Fleece kombinieren. Als Abgrenzung eignen sich z.B. niedrigere Pflastersteine, damit nicht endlos viel Streu auf dem Fleece landet. Dafür kann man sich eventuell ein bisschen Heu-Chaos auf dem Fleece sparen, wenn man die größten Heustellen auf dem Streu-Bereich legt.
Fazit
Fleecehaltung ist weder besser noch schlechter als klassische Einstreuhaltung - nur eben anders ⚖️
Was man letzten Endes im Gehege "ausbringt" ist Abwägungssache und hängt von den individuellen Prioritäten und Wünschen ab.
Und was sagt Wilbert dazu?
Eine Frage, die sich leider nicht mit letzter Sicherheit beantworten lässt.
Wahrscheinlich hätte er nach kurzem Zögern festgestellt, dass man auch auf Fleecehaltung langfristig ganz hervorragend liegen, dösen, brommseln und Erbsenflockenkrümel verteilen kann. Frei nach dem Motto:
Hauptsache sauber, gemütlich und genügend Platz für ein ausgedehntes Nachmittags-Nickerchen 💤
Und nun verabschiede ich mich wieder aus dem Vordergrund und überlasse Wilbert das Reden - Das kann der eh viel besser!
***Genau-muig*** So ist das. Viel Spaß beim Lesen und bis bald wenn es wieder heißt:
Wilbert weiß Warum!" 💡
