Henri kam im Februar 2019 zu uns in den Verein. Sein Halter hatte sich an uns gewandt, da Henri´s Partner, sein Bruder, verstorben war und der Bub nicht alleine bleiben sollte. Nur wenige Monate zuvor hatte der Mann die beiden Böckchen aus einer grausigen Außenhaltung gerettet. Sie waren als letzte Tiere einer lieblosen Inzuchtvermehrung übrig geblieben, sie hatten dort namenlos und ohne richtiges Futter die ersten drei Lebensjahre verbringen müssen. Frischfutter war den beiden gänzlich unbekannt und sie benötigten Wochen, bis sich der Darm langsam entsprechend einstellen konnte. Dennoch kam die beherzte Hilfe von Henri´s Namensgeber für seinen lieben Bruder zu spät, er starb nur etwa 3 Monate später, die schlechten Zustände des Vorlebens hatten ihn doch zu sehr geschwächt.
 
So kam Henri also zu uns in den Verein, aus der Box schlüpfte ein Schweinebübchen, das mit gerade einmal 600g winzig klein war und wie ein Jungtier wirkte, die Inzuchtvermehrung wie auch die jahrelange Mangelversorgung hatten deutliche Spuren hinterlassen. Dennoch war der Schatz munter, fidel und neugierig. Ganz kurz nach seiner Ankunft in der Pflegestelle bildete sich ein Knubbel an Henri´s Brust, der rasant wuchs. Er wurde umgehend entfernt und ins Labor zur Untersuchung eingesendet, die Diagnose war mehr wie unschön: es war ein bösartiges Sarkom. Da diese streuen können war ab da klar, dass Henri einen Patenplatz im Verein beziehen würde.
 
Den Eingriff selbst überstand der tapfere Schatz mit Bravour und sobald alles verheilt war, zog er auch bereits um. In seinem neuen Zuhause traf er auch auf weibliche Gesellschaft, die er offenbar nicht bzw. lange nicht mehr kannte. Eine der etwas dominanteren Damen schüchterte den Schatz zunächst ein, doch im Laufe der Zeit mauserte sich Henri zu einem wunderbaren Gruppenchef. Mit seiner ruhigen und lieben Art sorgte er für Ordnung und hielt die Gruppe in toller Harmonie. Er entdeckte seine Vorliebe für Kuschelsachen und genoss fortan besonders dort seine Nickerchen. Bei unbekannten bzw. neu gefütterten Leckereien musste man immer etwas vorsichtig sein, denn Henri´s Verdauung blieb empfindlich. Bezüglich des entfernten Tumors bekam Henri diverse unterstützende Mittel. So blühte Henri auf und konnte im Laufe der Zeit mehr Gewicht zulegen, er pendelte sich letztlich bei etwas über 900g ein. Es ging ihm gut und er genoss sein Leben. Gerade im Oktober erst hatte er eine erneute Kontrolluntersuchung, die ergab, dass sich keinerlei neue Tumore gebildet hatten. Daraufhin konnten dann auch seine Medikamente ausgeschlichen werden, er sollte fortan 2-3x im Jahr eine Entgiftungs-und Stoffwechselanregungs-Kur bekommen.
 
Doch dazu kam es nicht mehr, Henri ging es bestens bis zum 08.12. Zunächst war auch an diesem Tag alles ganz normal, er kam zum Fressen und lief munter im Gehege umher. Plötzlich hörte Henri´s Pflegemama ungewöhnliche Geräusche aus dem Gehege, sie sah sofort nach und es war gleich auffällig, dass es Henri nicht gut ging, er hatte grosse Schmerzen, von der Brust bis zum Bauch war sein Körper enorm verhärtet, regelrecht steif. Henri wurde sofort in die Tierklinik gebracht, in einem Röntgenbild sah man dann das ganze schlimme Ausmaß: Henri´s Dickdarm war voller Nahrungsbrei, der Dünndarm war so gut wie leer. Henri hatte eine extreme Blockade im Darm, eine lebensbedrohliche Verstopfung. Henri wurde zur bestmöglichen Versorgung stationär aufgenommen, doch die Chancen auf Heilung standen nicht gut. Es wurde alles getan was möglich war, jedoch erhielt Henri´s Pflegemama nach 5 Stunden einen Anruf aus der Tierklinik. Henri´s Zustand hatte sich enorm verschlechtert, und man konnte nichts mehr für ihn tun, so gab sie schwersten und traurigsten Herzens ihr Einverständnis zur Erlösung, um Henri´s Qualen zu beenden. Welche Ursache der Blockade zugrunde lag, konnte leider nicht ermittelt werden. Henri wurde nur 4 Jahre alt.
 
Wir sind von ganzem Herzen traurig über diesen Verlust, wir hätten uns so sehr gewünscht, dass Henri noch länger ein schweinchengerechtes Leben, bestens versorgt und verpflegt, geniessen hätte können. Ein ganz kleiner Trost ist es dennoch, dass Henri ankommen durfte und erleben durfte, was ein behütetes Leben ist, er ist in Liebe gegangen. Henri war ein wunderbarer kleiner Kerl, so sanft und lieb, er wird sehr fehlen.
 
Seine Pflegemama möchte dem kleinen Bub noch folgende liebe Worte mit auf den Weg geben:
Viel zu schnell war sie vorbei, unsere gemeinsame Zeit. Dennoch bleibst du unvergessen und hast immer einen Platz in unseren Herzen.
 
 
Ich habe deinen Namen in den Himmel geschrieben,
aber der Wind hat ihn davongeweht.
Ich habe deinen Namen in den Sand geschrieben,
aber das Wasser hat ihn verwaschen.
Ich habe deinen Namen in mein Herz geschlossen
und dort, dort wird er für immer bleiben.
(Unbekannter Verfasser)
 

 

 

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