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Einen roten Teppich für Meerschweinchen rollen alle Meeri-Liebhaber natürlich nur im übertragenen Sinne für ihre Lieblinge aus. Aber wir Pflegestellen werden immer wieder nach dem richtigen Untergrund im Gehege gefragt, wobei die Entsorgung gerade für viele Halter mit großem Gehege zunehmend ein Thema ist, da vielleicht die Mülltonne zu klein für den Abfall ist oder das Einstreu in die Biotonne nicht mehr reindarf, der Recylinghof Gebühren verlangt etc. Also was tun?
Grundsätzlich braucht es mal einen abwaschbaren Untergrund (Teichfolie, PVC oder ungiftigen Lack), darauf lege ich als Trennschicht immer Zeitung, dann klebt das Einstreu nicht so an (aber so, dass nichts rausguckt und gefressen wird). Dass Pelleteinstreu zwar saugstark, aber viel zu scharfkantig für zarte Meeri-Füßchen ist, wissen viele Halter vielleicht gar nicht, man sollte es aber nur verwenden, wenn man darauf noch eine Schicht Stroh oder Heu o.ä. legt. Ich verwende mittlerweile staubarmes Einstreu, bei durchschnittlich 15 Tieren kein Fehler... Je größer die Fläche für die Gruppe, desto mehr Freude haben die Tiere und desto mehr Spaß macht es auch, sie zu beobachten. Als kleiner Nebeneffekt wird das Gehege auch nicht so schnell wirklich schmutzig und hält eine Woche bis zur nächsten Putzaktion gut durch.
Meerschweinchen lieben es, im Einstreu zu wühlen (nach dem Putzen spielen wir deshalb meist das Suchspiel "Wo finde ich Trockengemüse von Kellis Tiershop?" scharr-wühl-schnüffel...), und gemütlicher zum Schlafen ist nur die Heuraufe. Da ich meiner eigenen Gruppe aber über 5 qm mit vielen Verstecken zugestehe, kann ich unmöglich alles einstreuen--- zu viel Müll!! Daher ist bei mir gut die Hälfte eingestreut und der Rest des Geheges ist mit waschbaren Picknickdecken ausgelegt (unten Folie, oben Decke), funktioniert auch mit Folie und Fleece-Decke, gerade auch bei der Haltung in Käfig mit Dauerauslauf davor. Decken werden allerdings schneller schmutzig und nass, sodass ich diesen Bereich 2 x wöchentlich neu auslegen muss. Und nur Deckenhaltung geht keinesfalls, denn genutzt wird zwar der ganze Platz, aber der Einstreubereich ist beliebter. (Sieht man an der "Köttelabstimmung"!!) Es funktioniert m.E. wirklich nur bei enstprechend großer Fläche, ansonsten muss man zu oft wechseln, aber es spart tatsächlich Müll. Die Decken muss man allerdings vor der Wäsche abkehren, am besten mit einem Besen/Handfeger mit Gummiborsten.
Da ich viele rote Picknickdecken besitze, rolle ich also tatsächlich den roten Teppich für meine heißgeliebten Fellnasen aus...
Wie das z.B bei mir in der Pflegestelle aussieht, kann man sich hier anschauen:
Vorstellung der Pflegestellen (runterscrollen)
und wer zu dem Thema noch Fragen haben sollte, darf sich natürlich an uns wenden:
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Eure Sabine (Pflegestelle Mannheim)
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Wir Pflegestellen werden immer wieder nach einer Art "Checkliste" zur richtigen Haltung von Meerschweinchen gefragt, hier mal die "Gedachtnisstütze" für Experten:
Kurz und knapp, da könnt ihr jetzt mal überlegen, ob ihr überall einen "Haken" dran machen könnt!
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In Gehege/Käfig weiches Einstreu (untendrunter Zeitung, dann klebt es nicht so an der Schale, dann Einstreu, wer möchte noch Heu/Stroh als Auflage)
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Einrichtung abwechslungsreich, alles aus Naturmaterialien, Holz-Häuschen mit Flachdach und mind. 2 Eingängen wegen Rangordnung, keine kleinen Fenster (steckenbleiben) Unterstände, Korkröhren, hohle Baumstammstücke, Weidenbrücken, Kuschelrollen, Tunnel, Hängematten etc. Sehr beliebt auch: zweite Ebenen (optimale Raumausnutzung!)
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Ernährung: Heu darf nie ausgehen, Wasserflasche oder -napf, 100- 150 gr Frischfutter pro Tier und Tag, auf mind. 2 Mahlzeiten verteilt, dabei Saftfutter wie Gurke und kompaktes Gemüse wie Fenchel, Karotte mischen.
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zum Knabbern gesunde Leckerlis (getreide- und zusatzfrei, keine Dauergabe im Napf ), z.B. Trockengemüse oder Kräuter, aber nur in Maßen füttern, ist nicht jeden Tag nötig, sehr beliebt sind auch Obstbaumzweige (z.B. Apfelbaum), kann man mit Blättern füttern.
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1x wöchentlich TÜV machen, Gewicht notieren (bei mehr als 50 g Abweichung -> TA!) , Bäuchlein abtasten, Augen, Nase, Ohren, Popo sauber?, Krallen kontrollieren und kurz halten, Zähne vorne gerade? (schief = könnten auf Zahnprobleme hinweisen) - Meeris verbergen Unwohlsein so lange es geht, um nicht aus dem Rudel ausgeschlossen zu werden.
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Auslauf im Sommer im Freien: keine Zugluft, keine pralle Sonne, Auslauf katzensicher? (Deckel oder unter Aufsicht?) muss immer Schatten da sein, nichts Giftiges auf der Wiese, nicht frisch gedüngt o.ä. mit Gras im Frühjahr langsam anfangen, sonst gibt es Bauchweh.
Alles klar? Bestens!
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Auch bei unserer Pflegestelle Mannheim wurde es wohl wieder Zeit für einen Umbau. Sabine und ihr Mann waren sehr fleißig und haben schöne neue Gehege für die eigenen Tiere und die Notschweinchen gebastelt.

Für das 5,6 qm große Bodengehege wurden drei handelsübliche OSB-Platten zusammengesteckt (Gesamtgröße 2,75 x 2,05 m) und mit Teichfolie bezogen (von unten festgetackert). Unter dem Boden wurden Leisten festgeschraubt, damit das Gehege unterlüftet wird.

Danach wurden Nut- und Federbretter als Rand festgeschraubt, im hinteren Wand-Bereich höher, im Gitterbereich vorne niedriger. Die Leisten an der Wand sollten später die zwei Ebenen für die Pflegetier- Abteilungen tragen. Die Holzwände der Gehege wurden 3 x mit ungiftigem Spielzeuglack gestrichen.

Das "Hochbett" (jeweils 2,05 x 0.90 m groß) entstand nach dem gleichen Prinzip und überlappt das Bodengehege aus Platzgründen ein wenig. Der Fuß vorne trägt die Vorderseite der Konstruktion.

Die zwei "Hochbett"-Ebenen bekamen einen Rahmen, den man zum Putzen abnehmen kann. (Die querliegenden Vierkanthölzer stecken auf Stiften in den Holzsäulen).

Im linken Einstreubereich wurde Plexiglas verwendet, damit kein Einstreu herausfliegt, im rechten Bereich gibt es Gitter zwecks besserem Kontakt beim Leckerli Füttern....Auch die Gitter sind extra abnehmbar und werden von einem Riegel gehalten.

Hier die wunderschönen Endergebnisse, die Tiere fühlen sich sichtlich wohl, manchmal ist alles eingestreut und manchmal gibt es einen Teil mit Decken ausgelegt, je nach Abfall-Kapazität.
Alle unsere Pflegestellen stellen sich hier vor: http://www.sos-meerschweinchen.de/index.php/vorstellung-der-pflegestellen
Maße:
Höhe:
Boden bis Unterkante unteres Stockbett und dann wieder bis Unterkante oberes Stockbett je 60 cm, hat sich zum Putzen und Gucken bestens bewährt. Unterkante Boden bis Oberkante der Querstange sind 36 cm.
Außenmaße:
OSB Platte Standardmaß, 2.00 x 0.96m
Alle Materialien sind aus dem Bauhaus.
Kosten pro Gehege nur ca 40 EUR!
Baumaterial pro Hochbett-Gehege:
- 1 OSB Platte Standardmaß ca 2 x 0.96 m
- Teichfolie (von unten um die Platte festgetackert),
- Äußere Begrenzung Nut- und Federbretter, vorne und seitl. eins, hinten und rechts 3 übereinander
- Leisten im L als Halterung an der Wand, 1 Vierkantholz als Fuß
- Vierkanthölzer senkrecht in jedem Eck als Stabilisator und vorne im Übergang zwischen Plexiglas und Gitterfront mit Stiften versehen zum Tragen der Querhölzer
- Vierkantholz als obere Querstange vorne und am Fußende mit Loch zum Einstecken in die Stifte
Anmerkung: da wir die Löcher für die Stifte erst nach Fertigstellung gebohrt haben, kamen wir beim unteren Gehege mit dem Bohrer nicht mehr bei. Da haben wir lange dicke Nägel von oben durch das Vierkantholz gesteckt (vorgebohrt), der Nagel ist länger als der Durchmesser des Holzes, schaut also unten raus und wird in das vorgebohrte Loch des senkrechten Holmens gesteckt. Die Variante funktioniert genauso.
Ausführung:
- Linke Hälfte und Fußende Plexiglasscheibe, oben an die Querstange geschraubt ( nicht zu fest, sonst bricht es), Plexiglas reicht bis knapp unter die Oberkante des Nut und Federbrettes und kann so von den Meeris nicht nach außen gedrückt werden.
- Rechte vordere Hälfte der Front Gitter, steht innen auf Boden, wird oben von drehbarem Griff gehalten (Gitter von Querholz dadurch abnehmbar)
- ungiftiger Spielzeuglack, alle Hölzer drei Mal gestrichen. ( obwohl draufstand nicht riechend, stank es doch ziemlich!) Spritzer an der Wand geben aber trotzdem Flecken ( die Weiber halt!!!)
- Der Clou: das untere Gehege ist etwas dunkler, da bei uns das Dachfenster schräg darüber liegt und hat für abends sogar eine passende Beleuchtung, nach der wir lange gesucht haben.
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Meerschweinchen sind mit einer der ältesten Haustierrassen. Man sollte meinen, dass eigentlich alles über diese Tiere in Bezug auf Haltung, Ernährung usw. bekannt sein sollte Leider werden wir als Tierschutzverein immer wieder vom Gegenteil überzeugt und möchten hier nun auf einige weit verbreiteten Ammenmärchen und Irrtümer eingehen, die immer wieder durch verschiedenste Stellen in Umlauf gebracht werden.
Meerschweinchen können alleine gehalten werden
Oft wird gesagt, wenn man sich ausreichend mit dem Meerschweinchen beschäftigt, kann es auch alleine gehalten werden und wird dadurch auch wesentlich zahmer. Viele Tiere mussten durch solch eine Aussage ein langweiliges und nicht artgerechtes Dasein fristen. Meerschweinchen sind Rudeltiere und verkümmern ohne einen Artgenossen. Auch an der Theorie, dass sie dadurch wesentlich zahmer werden würden, ist nichts Haltbares. Durch ein Partnertier werden sie meist sogar viel mutiger und leben auf. Mehr zum Thema Einzelhaltung von Meerschweinchen kann unter www.schweinzelhaltung.de nachgelesen werden.
Ein Meerschweinchen kann mit einem Kaninchen zusammen gehalten werden
Diese Konstellation ist dann zu finden, wenn z.B. das eine Kind ein Meerschweinchen möchte und das andere ein Kaninchen. Oder wenn kein Nachwuchs zur Welt kommen soll, man aber auch kein männliches Tier kastrieren lassen möchte. Wäre an sich eine tolle Sache, wenn sich die beiden Tierarten verständigen könnten und auch exakt die gleichen Futtergewohnheiten hätten.
Leider kommt das immer noch viel zu häufig vor, darum möchten wir hiermit noch mal an die Halter appellieren, „Gemeinsam sind diese beiden Tierarten einsam“. Es wurde sogar eine Versuchsreihe durchgeführt, bei der Meerschweinchen die freie Wahl blieb, ob sie mit einem Kaninchen zusammen sein wollten oder doch lieber alleine. 80% der Tiere waren lieber alleine! Wir denken, das ist sehr überzeugend. Nachzulesen ist dies hier: http://www.kaninchenforum.com/site/content/view/23/29/
Meerschweinchen sind langweilig
Ja, wenn sie alleine gehalten werden, kann dies sehr gut sein. Denn ohne Partnertier verkümmern sie und begrenzen ihre Lautäußerungen auf ein Minimum. Erst ab zwei Tieren oder besser noch einer größeren Gruppe sind das wirklich tolle Sozialverhalten und die vielen verschiedenen Laute der Meerschweinchen im kompletten Umfang zu beobachten. Natürlich muss man auch wissen, dass man von den Tieren keine Kunststücke erwarten kann, denn es sind eben Beobachtungstiere. Jeder Halter sollte sich gut darüber informieren, bevor er sich Meerschweinchen zulegt, um eben nicht von falschen Erwartungen enttäuscht zu werden.
Böcke können nicht zusammen gehalten werden
Auch dies ist ein Ammenmärchen, was sich hartnäckig hält. Bei der Bockhaltung müssen eben nur einige wichtige Dinge beachtet werden. Diese können hier nachgelesen werden: http://www.diebrain.de/Iext-bock.html
Böckchen vertragen sich nur, wenn sie Geschwister sind!
Oft funktioniert dies sogar, aber auch gerade diese Kombination birgt Probleme ,die spätestens in der Rappelphase auftauchen. Zwei gleichaltrige Tiere kommen auch gleichzeitig in die Geschlechtsreife und wollen gleichzeitig ihre Kräfte austesten, wenn die Tiere dann nun gleichstark sind, werden sich diese so sehr verkrachen, dass eine weitere gemeinsame Haltung oft nicht mehr möglich ist.
Böcke werden nach der Kastration ruhiger
Verstehen sich Bockgruppen nicht mehr, raten einige Tierärzte immer noch dazu diese kastrieren zu lassen, da sie dadurch ruhiger werden und sich dann auch wieder verstehen würden. Dies trifft so aber nicht zu, Meerschweinchen verändern eben nicht ihr Verhalten, wie es bei Hunden, Katzen und sogar Kaninchen bekannt ist. Das bedeutet, eine Kastration bringt die Böcke auch nicht wieder zusammen, ist aber sinnvoll, da nach einer 6wöchigen Absitzzeit nach der Kastration,die Böcke mit Weibchen vergesellschaftet werden können. Natürlich gibt es auch vereinzelt Fälle, bei denen es doch mit einer Kastration geklappt hat.
Nur bei wenigen Böcken ist der Hormonhaushalt verantwortlich für ein dominantes Verhalten, und nur in diesem Fall kann eine Kastration helfen. Meistens funktionieren Gruppen dann nicht, wenn die Tiere in ihrer Entwicklungszeit kein ausreichendes Sozialverhalten erlernen konnten. Außerdem ist die Haltung der Böcke oft einfach falsch, u.a. zu kleines Gehege, zu wenige Abwechslung und keine ausreichenden Versteck- und Ausweichmöglichkeiten.
Böcke stinken
Hier muss man sich zuerst überlegen, liegt es wirklich an den Tieren, oder wird der Stall nicht ausreichend gesäubert. Meerschweinchen haben fast keinen Eigengeruch und nehmen deshalb diesen aus der Umgebung an. Bei Böcken gibt es aber wirklich etwas, warum sie eventuell riechen könnten. Sie besitzen eine Perinealtasche, welche sie zum Markieren des Reviers umstülpen, während sie mit den Popo über den Boden streifen. Dabei kann dann natürlich Streu usw. in der Tasche zurückbleiben und mit dem darin enthalten Sekret zu einem stinkenden Brei verkleben. Eigentlich können das die Böcke aber sehr gut selbst regulieren, bei älteren Tieren kann es aber sein, dass die Tasche ausleiert und dadurch deutlich mehr Ablagerungen darin zurückbleiben. Als Halter sollte man daher regelmäßig danach schauen und bei Bedarf die Tasche „ausräumen“. Wo genau die Tasche liegt und wie sie gesäubert werden kann, ist hier zu lesen: http://www.schweineban.de/seiten/meerschweinchen/info/perinealtasche.htm und hier http://www.salat-killer.de/perinealtasche/perinealtasche.html
Zwei Weibchen vertragen sich immer!
Auch unter Weibchen gibt es sehr dominante Tiere, welche das Unterwürfige meist nicht in Ruhe lassen und ständig durch das Gehege jagen. Oft kommt auch Unruhe in die Gruppe, wenn eines der Weibchen brünstig wird und kein Kastrat vorhanden ist, welcher aufreitet. In solchen Situationen hilft meist nur ein dominanter Kastrat, welcher sich bei Streitigkeiten schlichtend einmischt und natürlich bei einer Brünstigkeit der Weibchen aufreitet. Sehr dominanten Weibchen hilft es oft auch in eine große ausgeglichene Gruppe integriert zu werden.
Die Farbe und Rasse des Tieres bestimmen den Charakter!
Nein! Wie bei uns Menschen auch sagt dies gar nichts über seinen Charakter aus. Der Charakter wird geprägt durch die Gene, die Sozialisierung bei der Aufzucht, später durch die Gruppe und den Halter.
Meerschweinchen können Ratten fern halten
Dieses Ammenmärchen ist wirklich nicht tot zu kriegen! Es wird immer wieder behauptet, das hohe Quieken der Meerschweinchen tue den Ratten in den Ohren weh und hielte sie deswegen fern. Dem kann man aber nur bedingt zustimmen- Ja. die hohen Töne tun den Ratten nicht gut, sie bleiben dadurch aber nicht auf Dauer weg, denn Ratten sind sehr intelligente Tiere und merken, dass ihnen diese Töne nichts anhaben können und werden nach einiger Zeit eben wieder kommen.
Brot ist gut für die Abnutzung der Zähne
Dies wird sogar noch von einigen Tierärzten immer wieder weiter gegeben, wobei gerade diese es besser wissen müssten! Meerschweinchen haben einen sehr harten Zahnschmelz, dadurch wird selbst hartes Brot von den Schneidezähnen sehr leicht durchgebissen, und ist somit für diese kaum von Nutzen. Dann geht der Transport weiter zu den Backenzähnen, bis das Brot dort ist, wird es schon mit Speichel benetzt und weicht dadurch sehr schnell auf. Das bedeutet, auch für die Backenzähne ist kein Nutzen zu erkennen. Es kann sogar eher das Gegenteil passieren! Das Brot weicht im Magen weiter auf und dehnt sich aus, dadurch wird das Tier zu schnell satt und frisst deutlich weniger Heu. Gerade aber das Heu ist wichtig für die Abnutzung der Zähne, da die Tiere durch den hohen Rohfaseranteil lange kauen müssen und durch diese lang andauernden Kaubewegungen sich die Zähne gegenseitig abschleifen. Dadurch dass weniger Heu zu sich genommen wird und sich die Zähne weniger abnutzen, kann es zu gefährlichen und schmerzhaften Backenzahnbrückenbildungen kommen. So können die Tiere dann irgendwann gar nichts mehr fressen. Es wird somit mit dem Brot genau das Gegenteil dessen erreicht was man damit bezwecken wollte, ganz abgesehen davon, dass Bestandteile des Brotes nicht in eine gesunde Meerschweinchenernährung gehören (Getreide!)!
Meerschweinchen benötigen kein Wasser
Meerschweinchen benötigen wie jedes andere Lebewesen auch Wasser! Oft wird behauptet, die Tiere könnten sich ihren Wasserbedarf komplett aus dem Frischfutter ziehen. Natürlich besteht das meiste Obst und Gemüse zu mehr als 90% aus Wasser und oft ist es wirklich so, dass man seine Tiere kaum trinken sieht. Aber gerade im Sommer, wenn es sehr warm wird, benötigen die Meerschweinchen zusätzlich Wasser und auch wenn sie krank sind, Fieber haben oder Durchfall, benötigen sie deutlich mehr Wasser um nicht auszutrocknen. Ein Trinkflasche oder Wassernapf muss daher immer zur Verfügung stehen.
Meerschweinchen mit roten Augen sind krankheitsanfälliger
Diese Aussage hören wir als Notstation sehr oft und auch gerade deshalb scheuen sich viele Halter einem Meerschweinchen mit roten Augen ein neues Zuhause zu geben. Dabei ist diese These schlicht und ergreifend falsch. Rote Augen bedeuten nur, dass in der Iris keine Pigmente ausgebildet wurden, die dem Auge die „Farbe“ verleihen. Da keine Pigmente vorhanden sind, sind die Tiere natürlich lichtempfindlicher. Im Sommer dürfen alle Meerschweinchen aber generell nicht ungeschützt dem Sonnenlicht ausgesetzt werden und in Innenhaltung werden die Tiere sowieso weniger geblendet, so dass dieser kleine Nachteil eigentlich keiner ist.
im Trockenfutter ist alles was ein Meerschweinchen benötigt
Diese Lüge wurde wohl von den Futtermittelfirmen in Umlauf gebracht. Gerne steht auf der Verpackung auch „Alleinfutter“. Gerade diese Lüge ist sehr tückisch, schon alleine die Zusammensetzung des Futters ist sehr ungesund und auch die verschiedenen Zusätze können starke gesundheitliche Probleme verursachen.
In der Eingewöhnungszeit sollen die Tiere nur Heu bekommen!
Dies bekommen die Halter gerne von verschiedensten Verkäufern in Zoohandlungen erklärt. Aber wieso? Ganz einfach: In fast allen Zoohandlungen bekommen die Tiere Wasser, Heu und Trockenfutter. Frischfutter ist eher selten und dann meist auch nur Karotten, da diese billig sind. Dies bedeutet natürlich, mit jedem neuen unbekannten Frischfutter muss der Halter langsam beginnen. Viele Halter sind dabei aber recht unerfahren und unsicher und schnell kann zuviel gefüttert werden. Die Meerschweinchen reagieren dann meist sehr schnell mit Blähungen und Durchfall. Gerade bei den oft sehr jungen Tieren aus den Zoohandlungen, die meist noch bei der Mutter hätten bleiben müssen, kann dies schnell lebensbedrohlich werden. Sollte das Tier sterben, wenden sich die Halter natürlich wieder an die Zoohandlungen und bekommen dann meist entweder ein kostenloses „Ersatztier“ oder ihr Geld zurück! Um dies einfach zu vermeiden, geben die Verkäufer oben genannten Satz an die Halter weiter!
Weibchen sollten einmal Junge bekommen
Dieser Satz kommt natürlich all denen gelegen, die gerne einmal Meerschweinchennachwuchs haben möchten. Aber wieso sollten sie einmal Junge bekommen? Als Argument wird angebracht, dass dadurch Zysten oder bösartige Gebärmutterveränderungen vermieden würden. Dazu gibt es keine ausschlaggebenden Facharbeiten und wenn man sich bei den Meerschweinchenhaltern und Züchter umhört, sind schon so einige Weibchen, die ein- oder mehrmals Junge hatten, an Eierstockzysten erkrankt.
Meerschweinchen wissen was sie fressen dürfen
Bitte verlassen sie sich nicht auf diese Aussage! Es könnte das Leben ihrer Tiere kosten! Unsere Meerschweinchen wachsen nicht mehr in freier Wildbahn auf, um wirklich alle Pflanzen ihrer Umgebung, ob giftig oder ungiftig, zu kennen. So kann sich in ihrem Gedächtnis und durch Weitergabe ihrer Mutter kein Überblick mehr über genießbare oder ungenießbare Pflanzen bilden. Die Meerschweinchen „verlassen“ sich daher voll und ganz auf den Halter und fressen das, was er ihnen anbietet. Dies bedeutet auch, dass bei ihrem Auslauf alle bedenklichen Zimmerpflanzen hochgestellt werden müssen.
Meerschweinchen sind ideale Haustiere für Kinder
Das Kinder gerne Meerschweinchen haben möchten, ist bekannt. Sie sind klein, kuschelig und es gibt sie in vielen Farben und Fellvarianten. Aber wie geeignet sind sie wirklich für Kinder und ab welchem Alter? Eltern müssen immer bedenken, die Hauptverantwortung liegt bei ihnen, auch können Kinder in der Pubertät schnell mal das Interesse verlieren und finden andere Hobbies und Freunde wichtiger. Dann liegt die komplette Versorgung der Tiere in den Händen der Eltern. Wie weit kann man seinen Kindern generell Verantwortung übertragen -- Futter geben, eventuell schon das Gehege reinigen? Beschäftigung? Beschäftigung bedeutet aber nicht kuscheln! Meerschweinchen sind keine Kuschel – oder Schmusetiere, es sind im Großen und Ganzen Beobachtungstiere, denen man den Auslauf immer wieder neu gestalten kann und sich daran erfreut, wie sie alles erkunden. Wünscht sich Ihr Kind ein reines Schmusetier, sollten Sie vom Kauf mehrerer Meerschweinchen wirklich absehen, das Kind würde nur enttäuscht sein.
Meerschweinchen sind Schmusetiere
Leider werden sie immer wieder gerne für die Kinder gekauft, da sie als ideale Kindertiere gelten und diese mit ihnen herumlaufen können, um sie zu "beknuddeln" und "betüddeln". Für die Meerschweinchen bedeutet dies aber Stress pur. Sie möchten nicht gerne hochgenommen oder gar gestreichelt werden. Viele Zeichen, welche die Tiere geben, werden dabei sogar oft missverstanden und die Halter legen es so aus, als würde es den Tieren gefallen. Holen Sie sich also bitte keine Meerschweinchen mit dem Hintergedanken, dass dies Tiere sind ,die sich gerne streicheln lassen. Dies kann von beiden Seiten aus nur zu Stress und Enttäuschungen führen.
Meerschweinchen sind anspruchslos
Dies steht so noch in vielen Ratgebern und verleitet viele Halter dazu, sich für Meerschweinchen zu entscheiden- Wenig Arbeit, wenig Dreck, kaum Zeit investieren, aber trotzdem ein Haustier.
Beschäftigt man sich aber wirklich mit den Bedürfnissen der Meerschweinchen, dann erkennt man schnell, so anspruchslos sind sie nicht wirklich. Sie benötigen ein genügend großes Zuhause und dies muss auch abwechslungsreich eingerichtet sein, zwei Häuser reichen da nicht wirklich aus. Das Gehege muss meist einmal die Woche sauber gemacht werden, wohin mit der Einstreu? Das oft angepriesene „Alleinfutter“ ist ungesund für die Tiere, sie wollen abwechslungsreich mindestens 2-3mal am Tag mit Frischfutter versorgt werden. Und Auslauf möchten sie dann bitte auch noch mehrere Stunden am Tag haben, dieser sollte natürlich auch gut strukturiert sein, sonst wird den Tieren schnell langweilig. Und auch Meerschweinchen können mal krank werden, dann kann es passieren, dass man mehrmals am Tag Medikamente geben muss, päppeln muss, fast jeden Tag zum Tierarzt fahren muss. So anspruchslos wie sie gerne dargestellt werden, sind sie nach dieser kleinen Auflistung nun nicht wirklich, dies sollte alles vor einer Anschaffung der Tiere bedacht werden.
Meerschweinchen halten die Krankheiten von Kaninchen fern
Viele Kaninchenzüchter haben Meerschweinchen mit in ihren Ställen, damit die Bakterien/Viren zuerst die Meerschweinchen befallen und nicht die Kaninchen. Was ist an diesem Ammenmärchen dran? Nichts! Man muss sich zuerst die Verdauung der verschiedenen Arten betrachten. Kaninchen können fast alle Vitamine aus ihrem Blinddarmkot selbst synthetisieren, können also auch mit einem mangelhaften Futterspektrum, solange genügend Heu vorhanden ist, eine lange Zeit überleben, ohne selbst Mangelerscheinungen zu zeigen.
Meerschweinchen können Vitamin C und auch eine weitere Anzahl verschiedener Vitamine nicht selbst herstellen, wie das Kaninchen können. Sie bekommen aber das gleiche Futter wie die Kaninchen und bekommen dadurch nach kürzester Zeit Mangelerscheinungen, das Immunsystem wird immer schwächer und sie werden dadurch natürlich anfälliger für Krankheiten. Dies erweckt dann den Anschein, die Krankheiten gehen immer zuerst auf die Meerschweinchen und nicht auf die Kaninchen. Das dies aber einfach an der falschen Ernährung liegen kann, ist den Haltern nicht bewusst!
Während der Eingewöhnungszeit, keine Versteckmöglichkeiten!
Meerschweinchen sind Fluchttiere und möchten sich bei unbekannten Situationen verstecken. Ihnen die Versteckmöglichkeiten zu nehmen grenzt damit schon an Tierquälerei und bedeutet für die Tiere enormen Stress. Stress bedeutet eine Schwächung des Immunsystems und dies kann wiederum zu Krankheiten führen. Meerschweinchen werden auch mit Versteckmöglichkeiten zutraulich, vielleicht dauert es etwas länger, aber diese Zeit sollte man seinen Tieren auch geben!
Meerschweinchen müssen geimpft werden
Oft fragen wir uns, wie dieses Gerücht seinen Lauf nehmen konnte. Es gibt keine Impfungen für Meerschweinchen. Oft werden Milbenbehandlungen als Impfung tituliert. Aber Impfungen haben normalerweise einen Langzeitschutz und sollten also einen weiteren Milbenbefall verhindern.
Dies ist hier aber nicht so, die Milbenbehandlung hilft nur gegen den akuten Befall. Auf manchen Züchterseiten liest man auch gerne „Meerschweinchen werden geimpft und mit Stammbaum verkauft“ Ein Milbenmedikament ist gleichzeitig ein Nervengift, es ist damit unverantwortlich einfach aus „Vorsorge“ das Tier zu behandeln.
Wenn das Meerschweinchen während dem Streicheln „schnurrt“ mögen sie das!
Genau hier werden die Meerschweinchen oft missverstanden und es wird als Laut des Wohlbefindens gedeutet und die Tiere werden dann weiter gestreichelt! Aber das Meerschweinchen will eigentlich damit sagen, dass der Halter damit aufhören und es wieder zu seinen Artgenossen setzen soll. http://www.cavias.de/musik.htm
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Auslaufmodelle in der Meerschweinchenhaltung oder Langsitzer in Notstationen und Tierheimen!
Meerschweinchenböcke sitzen nicht selten über Monate in Notstationen und Tierheimen, bis sie ein neues Zuhause finden. Und weitere, meist unkastrierte Böcke, warten darauf, zur Vermittlung aufgenommen zu werden. Die Wartelisten sind lang!
Die Abgabeschwemme und die oft schleppende Vermittlung der Böcke ist für Notstationen und Tierheime eine kleine bis mittelgroße Katastrophe. Die vorhandenen Tiere blockieren Plätze und nachrückende können nicht aufgenommen werden.
Böcke sind zudem immer ein Kostenfaktor. So gut wie immer sind es unkastrierte Böcke, die abgegeben werden und es müssen daher Kastration durchgeführt und bezahlt werden. Im Sinne des Tierschutzgesetzes ist dies auch unabdingbar. Eine Kastration ist nötig, um weitere Vermehrung zu vermeiden. Wir, vom Verein SOS Meerschweinchen e.V., vermitteln keinen Bock unkastriert, außer wenn der Gesundheitszustand dagegen sprechen würde. Da unkastrierte Böcke in den Pflegestellen und bei Unverträglichkeit mit anderen Böcken ein komplettes Gehege blockieren und dort keine weiteren Tiere bis nach Kastration und vierwöchiger Wartezeit dazu gesetzt werden können, ist es uns daher kaum möglich, die vielen Böcke, die abgegeben werden sollen, auch aufzunehmen. Wir bitten daher die Halter, welche unkastrierte Böcke bei uns abgeben möchten, die Tiere doch noch kastrieren zu lassen. Dann können wir sie nach der Kastration und der anschließenden Wartezeit viel schneller aufnehmen. Damit es hier nicht am Geld scheitert, bieten wir an, die Kastrationskosten bei Aufnahme der Tiere und gegen Vorlage der Tierarzt-Rechnung zu übernehmen.
Bei Meerschweinchen-Würfen werden Weibchen und Böckchen im etwa gleichen Verhältnis geboren. Die natürlichste Haltung von Meerschweinchen besteht allerdings aus einem Bock und mehreren Weibchen. Wohin also mit den überschüssigen Böcken? Und genau hier liegt das Problem der langsitzenden Böcke in Notstationen und Tierheimen.
Wie können wir dieses Problem lösen?
Wichtig ist hierbei die Hilfe zukünftiger Halter. Analysieren wir daher die möglichen Haltungsformen.
Weibchengruppen:
Viele Halter, welche keinen Nachwuchs möchten, aber auch keine Kosten durch Kastration von Böcken aufbringen wollen oder auch können bzw. das Risiko der OP scheuen, wählen zwei oder mehrere gleichgeschlechtliche Tiere. Meist Weibchengruppen, da die Halter entweder dem Irrglauben aufsitzen, dass Böcke stinken oder sie scheuen die allgemeinen Schwierigkeiten einer Bockgruppe.
Durch die reine Haltung von Weibchen bleiben aber viele Böcke auf der Strecke und warten lange auf ein neues Zuhause.
Überlegen Sie sich daher, ob Sie nicht einem Kastraten die Chance auf ein neues Zuhause geben und bereichern Sie ihre Weibchengruppe.
Reine Weibchengruppen gehen nicht immer gut. Oft kommt es zu Zickereien, da eines der Weibchen extrem dominant wird und das unterlegene Tier stark unterdrückt, was viel Stress für alle bedeutet. Spätestens dann wird ein guter Kastrat unerlässlich, um Frieden zwischen den Weibchen zu stiften und bei Streitigkeiten dazwischen zu gehen.
Auch ist uns aufgefallen, dass gerade bei Weibchengruppen die Neigung zu Eierstockzysten erhöht ist, was gesundheitlich starke Probleme verursachen kann. Ein Kastrat kann das durch das regelmäßige Aufreiten während der Brunst verhindern bzw. eindämmen.
Böcke stinken auch nicht mehr als Weibchen. Dies ist ein Gerücht und bei einem ordentlich gemisteten Stall nicht vorhanden. Sollten Böcke doch riechen, kann dies an der Perinealtasche liegen, die deutlich größer ist als bei Weibchen. Bei Kastraten ist diese Tasche aber recht klein und die Tiere können sie selbst sauber halten. Sollten, oft durch das Alter, die Böcke ihre Tasche nicht mehr selbst reinigen können, wird hier gezeigt, wie der Halter dies übernehmen kann:
http://www.salat-killer.de/perinealtasche/perinealtasche.html
Übernimmt man kastrierte Böcke von Tierheimen oder Notstationen, entfallen die Ängste der OP-Risiken bzw. der Nachversorgung. Die Tiere sind direkt bereit Haremswächter in Ihrer Weibchengruppe zu werden!
Gemischte Gruppen:
Diese Gruppen bestehen meist aus einem Kastrat und mehreren Weibchen. Einen weiteren Kastrat dazu zu setzen ist fast nicht möglich. Da dafür meist der deutlich höhere Platzanspruch und die Mindestanzahl von 4 bis 5 Weibchen pro Bock fehlt. Zudem würde es die oft nicht ausreichend sozialisierten dominanten Böcke, auch bei den besten Haltungsbedingungen, nicht daran hindern, erbitterte Kämpfe um die Weibchen zu führen.
Aber es gibt eine andere Möglichkeit: Frühkastraten! Jungböcke, die vor der Geschlechtsreife kastriert werden und so in der Gruppe verbleiben können, erlernen wunderbar das richtige Sozialverhalten. Dies führt dazu, dass sie den erwachsenen Kastraten als ranghöher akzeptieren und es keine Streitigkeiten um die Weibchen geben wird. Nur selten sind Frühkastraten dabei, die genetisch bedingt schon sehr dominant sind und mit denen dann eine solche Konstellation nicht möglich ist.
Sprechen Sie doch über diese Möglichkeit mit dem Tierheim oder der Notstation Ihres Vertrauens, ob dies bei Ihnen umsetzbar wäre. Sollte solch ein Versuch doch in seltenen Fällen nicht funktionieren, nehmen Tierheime und Notstationen Ihre Tiere jederzeit zurück.
Bockgruppen:
Dies ist in keinster Weise eine natürliche Haltungsform. Doch sie ist trotzdem die einzige Möglichkeit, viele überzählige Böcke zu einem Zuhause zu verhelfen. Und bei richtiger Haltung und Durchführung ergeben sich dicke Männerfreundschaften.
Oft steht geschrieben, dass Bockgruppen nichts für Neulinge in der Meerschweinchenhaltung sind, wir sehen dies auch so, möchten dies aber etwas differenzieren. Es kann immer mal passieren, dass sich trotz bester Bedingungen eine Bockgruppe nicht mehr verträgt. Was folgt, sind oft Tiere, die getrennt in Einzelhaltung leben oder der Halter müsste neue Gruppen eröffnen, was nicht immer platz- und geldtechnisch möglich ist. Als Notstation sind wir immer Ansprechpartner und können bei Problemen in der Bockgruppe beratend zur Seite stehen oder durch Tauschen von Partnertieren für Harmonie sorgen.
Bockgruppen benötigen Platz, eine gute Konstellation (unterschiedliches Alter der Tiere usw.), viel Abwechslung und einen Halter mit guten Nerven und dem Interesse dazu zu lernen. Wir stehen mit den Haltern unserer Schützlinge immer im lockeren Kontakt und können daher sagen, dass wir fast alle Böcke richtig gewählt haben und sich die Halter nun über wunderbare Bockgruppen freuen.
Wenn Sie Böcken durch eine Bockgruppe helfen, helfen wir Ihnen gerne bei der Planung Ihrer Haltung. Wohnen Sie zudem in unserem Vermittlungsgebiet, würden wir uns sehr freuen, wenn unsere Schützlinge bei Ihnen ein neues Zuhause finden.
Dies war nun ein kleiner Einblick in die Bockproblematik bei Notstationen und Tierheimen. Vielleicht können wir hiermit anregen, von reinen Weibchengruppen Abstand zunehmen und die Haltung von Böcken auch aus einem anderen Aspekt zu sehen: Den Tieren einen unnötig langen Aufenthalt in einer Pflegestelle zu ersparen und bald ein schönes Zuhause zu finden. Die Tiere werden es Ihnen danken!
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Zu Anfang jeder Meerschweinchenhaltung steht die Frage, welche Gruppenkonstellation man sich anschaffen möchte. Eine Weibchengruppe oder doch eher eine Bockgruppe? Was ist für einen Anfänger am einfachsten zu verwirklichen und wo braucht man doch mehr Erfahrung?
Hier werden wir auf die einzelnen Konstellationen eingehen, auf ihre Vor- und vielleicht Nachteile und was man beachten muss, damit die Meeschweinchen-Gruppe auch gut harmonieren kann.
Weibchengruppe
Diese Zusammensetzung stellt an den Laien in der Meerschweinchenhaltung keine großen Ansprüche. Hier muss man sich keine Gedanken darüber machen, ob die Tiere im gleich-oder unterschiedlich alt sind. Einzig der Charakter der einzelnen Tiere muss zusammen passen. Sind zu viele stark dominante Weibchen in der Gruppe, wird dies immer wieder zu Kämpfen um die Rangordnung führen und dies kann meist nur durch einen Kastraten geregelt werden. Planen Sie deshalb Ihr Gehege schon so groß, dass Sie , falls es nötig sein sollte, ohne große Probleme noch einen Kastraten dazu holen können.
Natürlich kann es auch bei gut harmonisierenden Weibchen gelegentlich zu Streitereien kommen, vor allem dann, wenn eines der Weibchen brünstig wird und gedeckt werden möchte. Da dies bei einer reinen Weibchengruppe natürlich nicht möglich ist, versucht sie die anderen Weibchen trotzdem dazu zu bewegen, indem sie auf diese aufreitet. Dies gefällt den anderen Weibchen natürlich ganz und gar nicht und schon ist Stress vorprogrammiert. Es bleibt immer abzuwägen, ob die Gruppe dies aushält oder ob es zu viel wird.
Beachtet man diese Dinge, kann hier eigentlich nicht viel falsch gemacht werden.
Weibchen + Bock (Kastrat)
Die natürlichste Haltungsform der Meerschweinchen ist natürlich eine Gruppe von mehreren Weibchen und einem Männchen. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass der Bock kastriert ist (Wurde der Bock kastriert, kann dieser noch 4 Wochen deckfähig sein, solange muss er noch getrennt von den Weibchen sitzen), um unkontrollierte Fortpflanzung zu vermeiden, die bei Meerschweinchen schnell nicht mehr überschaubar werden kann.
Meistens ist es so, dass man mindestens zwei Weibchen mit einem Bock halten muss. Damit ein Weibchen sich entspannen kann, wenn der Bock sehr agil ist. Nun stellt sich aber eine weitere Frage: Wie viel Weibchen kann ich meinem Bock denn maximal zumuten? Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, da jeder Bock verschieden ist. Einige Böcke sind sehr introvertiert und schüchtern und vertragen nicht mehr als ein Weibchen, andere können ihren Mann auch bei 10 und mehr Weibchen stehen. Hier ist eben jeder Halter selbst gefragt, seinen Bock zu beobachten und festzustellen, wann die maximale Zahl an Weibchen erreicht wurde. Dies kann man sehr leicht am Gewicht überprüfen, welches bei starkem Stress zu sinken beginnt, auch wird sich der Bock dann mehr zurückziehen.
Alles in allem ist diese Haltung die bevorzugteste, da hier die wenigsten Probleme zu erwarten sind.
Weibchen + mehrere Böcke
Was bei den Wildmeerschweinchen undenkbar wäre, kann bei den Hausmeerschweinchen funktionieren. Bei den Wildmeerschweinchen werden Jungböcke, die in die Geschlechtsreife kommen, sofort vom Alpha-Bock vertrieben, um seine Stellung bei den Weibchen zu sichern. Auch fremde Böcke, die sich der Gruppe nähern, werden sofort bekämpft, dies kann bis zum Tod eines der Kontrahenten führen.
Durch die Domestikation und die damit verbundenen beengten Platzverhältnisse, mussten sich die Böcke zusammenraufen und lernen miteinander auszukommen. Dadurch ist es möglich, auch mehrere Kastraten mit Weibchen zusammenzuhalten. Einige Dinge sind aber trotzdem zu beachten, damit dies funktionieren kann.: Zuerst müssen für jeden Bock mindestens 3-4 Weibchen vorhanden sein, die er zu seinem Harem zählen kann. Dadurch kommt es dann auch nicht zu Streitereien um Weibchen eines anderen Harems. Auch muss genügend Platz vorhanden sein, damit sich die Gruppen aus dem Weg gehen können. 0,5qm pro Tier dürfen deshalb absolut nicht unterschritten werden.
Trotzdem ist all dies kein Garant dafür, dass diese Konstellation funktionieren wird. Sind stark dominante Böcke in der Gruppe, kann es trotzdem zu Kämpfen kommen und dann muss das Gehege aufgeteilt werden.
Weibchen + Kastrat + Frühkastrat
Möchte man mehrere Böcke mit den Weibchen zusammen halten, ist einem das Risiko aber zu groß, dass es doch nicht funktioniert, gibt es noch die Möglichkeit der Frühkastraten. Dies sind Jungböcke, die vor dem Eintritt der Geschlechtsreife kastriert wurden und somit in der Gruppe verbleiben können, sie lernen somit das ganze Spektrum des Sozialverhaltens und ordnen sich dem dominanten Kastraten unter.
Auf diese Weise können problemlos mehrere Frühkastraten in die Gruppe integriert werden. Natürlich gibt es auch dominante Frühkastraten, welche in keiner gemischtgeschlechtlichen Gruppe aufgewachsen sind oder die einfach einen dominanten Charakter vererbt bekommen haben, diese werden sich nie einem weiteren Kastraten in der Gruppe unterordnen.
Bockgruppen
Nun kommt wohl die Haltungsform, die mit den meisten Missverständnissen zu kämpfen hat und von vielen auch als nicht möglich angesehen wird. Es ist richtig von vorneherein zu sagen, dass dies nicht unbedingt eine Haltungsform ist, die von einem uninformierten Laien probiert werden sollte. Diese gehört vielmehr in die Hände von erfahrenen Meerschweinchenhaltern oder Laien, die sich nicht von den ganzen Problemen, die hierbei entstehen können, abschrecken lassen und auch mit den Konsequenzen wenn es nicht funktionieren sollte, zurechtkommen.
Die einfachste Lösung sind zwei Jungböcke, die nicht viel älter als 6 Wochen sind. Meistens klappt dies ohne Probleme, nur in den Rappelphasen ab 6 Monaten kann es immer wieder zu Streit um die Rangordnung kommen. Meist bleibt dieser aber bei harmlosen Verfolgungsjagden, was sich nach einigen Tagen wieder legt.
Natürlich kann es passieren, dass einer diesen beiden durch Krankheit oder plötzlichen Tod des anderen alleine zurückbleibt. Möchte man dann weiterhin eine Bockgruppe halten, sollte der Bock, der dazu vergesellschaftet wird, wieder ein Jungbock von 6 Wochen sein. Natürlich kann man auch versuchen,ältere Böcke miteinander zu vergesellschaften, dabei sollten aber beide Böcke gut sozialisiert sein und nicht zu dominant, sonst ist das Ganze gleich zum Scheitern verurteilt.
Auch hier muss pro Bock mindestens 0,5 qm Platz vorhanden sein und ausreichend Versteckmöglichkeiten, um sich bei Streitereien aus dem Weg gehen zu können. Sollte es aber doch bei Streitereien zu blutigen Verletzungen kommen (Zu den blutigen Verletzungen zählen nicht Ohren und Lippen, dies sind sehr empfindliche Stellen, die schnell mal geritzt werden können), sollte man nicht lange zögern und die Tiere trennen. Hier braucht man meist nicht mehr zu probieren, ob es doch noch funktionieren könnte. Sind die Böcke nicht schon kastriert, sollte man dies dann tun und nach einem Absitzen von 6 Wochen ein oder mehrere Weibchen zu jedem Bock vergesellschaften.
Vertragen sich die Böcke sehr gut, kommt oft die Frage auf, ob man nicht noch einen Bock dazu setzen sollte. Hier sei gesagt, es kann gut gehen, es kann aber auch die ganze Gruppe auseinander reißen und man hat plötzlich 3 und mehr Böcke, die man mit Weibchen vergesellschaften muss. Generell ist zu sagen, dass man erst ab 5 Tieren und mehr ungerade Zahlen von Böcken halten sollte, da darunter schnell Böcke ausgeschlossen oder bewusst von den anderen Böcken drangsaliert werden. Es gibt Bockgruppen von 8 und mehr Tieren, die wunderbar funktionieren, hier ein Beispiel dazu: http://www.boeckchen-wg.de .
Vertragen sich Ihre Tiere, sollten Sie zwei Dinge tunlichst vermeiden, um nicht zu riskieren, diese Freundschaft zu zerbrechen: Der Geruch nach Weibchen sollte absolut vermieden werden, also besser keine Weibchengruppe im selben Raum. (Natürlich kann es trotzdem funktionieren, aber falls sich Ihre Böcke eines Tages nicht mehr vertragen sollten, wissen Sie warum.) Des weiteren sollten Sie keinen Bock zum kurzen Decken eines Weibchens abgeben, der Geruch, der dann an ihm haftet, kann ebenfalls dazu führen, dass sich die Männer nicht mehr verstehen.
Zum Schluss sei noch gesagt, eine Kastration ändert in der Regel nichts am Verhalten der Tiere. Es ist aber zu überlegen, ob nicht trotzdem alle Böcke der Bockgruppe kastriert werden. Sollte sich die Gruppe, aus welchen Gründen auch immer, irgendwann nicht mehr verstehen, können die Böcke ohne große Wartezeiten mit Weibchen vergesellschaftet werden. |
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